Gift für den Kinderwunsch
Stefan Otto über stagnierende Familienleistungen
Wohl fast alle stellen sich irgendwann einmal die Frage, ob sie Kinder haben wollen oder nicht. Verglichen mit anderen Ländern scheint die Perspektive für Nachwuchs in Deutschland relativ günstig - die Wirtschaft ist halbwegs intakt, Kriege grassieren anderswo, Naturkatastrophen auch.
Trotzdem hat sich die Stimmung hierzulande eingetrübt - vor Jahren schon, als Politik und Wirtschaft verkündeten, die fetten Jahre seien vorbei, und beharrlich neoliberale Reformen einforderten. Mehr freier Markt, mehr Wettbewerb, mehr Leistung, so das Credo. Der staatlichen Familienpolitik fielen darauf bisher kaum Antworten ein. Für den Kinderwunsch vieler ist das Gift.
Wer sich nämlich für Nachwuchs entscheidet, sollte von Grund auf zuversichtlich sein. Schließlich muss jede erdenkliche Krise mit den Kindern zusammen gemeistert werden. Sei es ein Jobverlust, eine gravierend ansteigende Miete oder die Trennung vom Partner. Ein wichtiger Beitrag für diese von Eltern benötigte Sicherheit sind nach wie vor staatliche Familienleistungen.
Bedauerlicherweise reiht sich Schäubles Vorstoß in die Politik der letzten Jahre ein. Er will nicht mehr ausgeben als irgend nötig. Der Preis, den die Gesellschaft zu zahlen hat, könnte weitaus höher sein als das Einsparpotenzial. Zweifellos sorgt der Finanzminister nicht nur bei der SPD für Verstimmung, sondern auch bei wenig wohlhabenden Eltern. Sie werden nämlich die Leidtragenden dieses Sparkurses sein.
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