Mit Söldnerhilfe gegen Boko Haram
Nigerias Präsident Goodluck Jonathan will mit einer Offensive gegen die Terrorsekte seine Wahlchancen verbessern
Nigerias Präsident Goodluck Jonathan kann kurz vor den Wahlen am 28. März einen wichtigen Erfolg vorweisen. In den vergangenen Monaten scheint die islamistische Extremistenmiliz Boko Haram, die im Nordosten de Landes Tausende Menschen getötet und Millionen entwurzelt hat, endlich zurückgedrängt worden zu sein.
Die regionalen Truppen, die sich aus Einheiten des Tschads, Nigers und Kameruns sowie Nigerias eigener Armee zusammensetzen, behaupten, erfolgreich gegen Boko Haram vorzugehen und bereits einige Siege errungen zu haben. Dies gibt Jonathan eine gehörige Portion Selbstvertrauen. Damit ist er nicht allein. Der Präsident Tschads, Idriss Déby, ließ verlautbaren, er kenne das Versteck des gefürchteten Anführers der Gruppe, Abubakar Shekau, und würde ihn vernichten. Jonathan selbst kündigte an, den Aufstand noch vor den Wahlen unter Kontrolle zu haben.
Nach fünf Jahren des ununterbrochenen Blutvergießens und Boko Harams vor kurzem verkündeter Verbundenheit mit dem Islamischen Staat ist der nigerianische Präsident auf einmal sehr zuversichtlich gestimmt. Einer der Gründe hierfür könnte sein, dass Jonathan inzwischen russische, ukrainische und südafrikanische Söldner, oder wie er sie bezeichnet »Sicherheitsberater«, an seiner Seite weiß. Vergangene Woche erklärte er gegenüber einem Journalisten von »Voice of America«, dass die Söldner lediglich »technische Unterstützung« für neue Waffen und anderes militärisches Equipment brächten. »Wir haben also jetzt diese Trainer, die unseren Leuten beibringen sollen, wie sie mit den Waffen umgehen müssen und Techniker, die bei der Instandhaltung helfen und unsere Leute entsprechend ausbilden«, erklärte Jonathan etwas nebulös.
Doch im Nordosten Nigerias, in der Stadt Maiduguri, findet man inzwischen Hunderte ausländischer Soldaten aus Südafrika und Osteuropa. Dieselbe Art ausländischer Söldner, die noch vor 20 Jahren versuchte, die Antiapartheidbewegung in Südafrika zu brechen. Südafrika war zwar eines der ersten Länder weltweit, das Söldner verbannte, doch es bleibt einer der größten Lieferanten von Militärausbildern. Vergangene Woche starb einer dieser Männer, der Söldneroffizier Leon Lotz, bei einem Beschuss durch eigene Truppen, die sich im Einsatz gegen Boko Haram befanden.
Jonathan musste sich etwas einfallen lassen, nachdem Boko Haram schon seit über fünf Jahren den Norden Nigerias terrorisierte und in den letzten Monaten auch Nachbarländer angriff. Er behauptet, die Rebellen hätten mit dem Islamischen Staat trainiert, doch machte er keine Angaben dazu, wo diese Ausbildung stattgefunden haben sollte. »Wir wissen vielleicht nicht, in welchem Ausmaß sie Finanzhilfen vom Islamischen Staat erhalten, doch wir wissen, dass es eine Verbindung gibt«, erklärte Jonathan, wieder etwas undurchsichtig.
Doch selbst wenn sich der Einsatz der Söldner positiv auf den Kampf gegen Boko Haram auswirken sollte, heißt das nicht, dass Jonathan in zehn Tagen auch wiedergewählt wird. Die Rückgewinnung von Gebieten ist nicht mit einem Sieg über den Aufruhr gleichzusetzen.
Obwohl ihm viele Experten gute Chancen einräumen, wollen die Menschen Nigerias endlich Wandel in ihrem Land sehen. Zudem unterstützen viele der Armen Nigerias Herausforderer Muhammadu Buhari, der einen Kampf gegen die Korruption im Lande verspricht, die unter Jonathan zur Normalität wurde. Im letzten Jahr sollen bis zu 4 Billionen Nigerianische Naira (19 Milliarden Euro) aus der Staatskasse verschwunden sein. Diese großenteils vernachlässigten und hausgemachten Probleme könnten am Ende Jonathans Pläne von der Wiederwahl vereiteln.
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