Blitzgescheit ist das nicht

Kurt Stenger über Radarkontrollen und eine unfähige Verkehrspolitik

Geschwindigkeitskontrollen und Bußgelder sind ein höchst emotional diskutiertes Thema, denn eigentlich fühlen sich alle persönlich betroffen: Die aus Zeitdruck oder zum Spaß rasenden Fahrer sehen sich als freie Bürger angegriffen. Ausgerüstet mit auf Radarkontrollen geeichtem Blick, durch Radiokanäle verbreitete Echtzeitinfos über die neuesten »Flitzerblitzer« oder gar allerlei technischem Spähgerät, übt sich der Kleinbürger mal in zivilem Ungehorsam. Dagegen sehen Defensivfahrer und Fußgänger ihre körperliche Unversehrtheit - sowie Eltern die ihrer Kinder - im Straßenverkehr durch Raser bedroht. Manche Debatte führt fast zurück zu Grundsatzfragen von Staat und Demokratie in der bürgerlichen Gesellschaft.

Dabei geht es um weit Konkreteres: eine Verkehrspolitik, die Gefahren durch Tempodrosselung reduziert und für flüssigen Verkehr sorgt. Die meisten Staus entstehen dadurch, dass zu viele Einzelverkehrsteilnehmer mit stark unterschiedlichem Tempo unterwegs sind. Auch deshalb wäre es also ein gutes Mittel, dass der Staat einen für alle erschwinglichen, umweltfreundlichen Nahverkehr befördert. Selbst wenn mal viele unverantwortliche Raser aus dem Verkehr gezogen werden, helfen Blitzmarathons nicht weiter. Sie sind symbolische Aktionen, die von einer fehlenden Strategie für den Straßenverkehr ablenken. Blitzgescheit ist das nicht.

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.

- Anzeige -
- Anzeige -