Regenbogen an Ramadan

Türkische Polizei versucht Vorgehen zu rechtfertigen/ Soli-Demonstration in Berlin geplant

  • Lesedauer: 3 Min.
Nach dem brutalen Vorgehen gegen die Gay Pride Parade in Istanbul, versucht die Polizei ihr Vorgehen zu rechtfertigen. Teilnehmer sind schockiert von diesem erstmaligen Übergriff der Polizei auf diese Parade.

Istanbul. Die türkischen Behörden haben den Gewalteinsatz der Polizei gegen die Homosexuellen-Kundgebung in Istanbul gerechtfertigt. Das Eingreifen der Beamten am Sonntag sei angemessen gewesen, erklärte das Istanbuler Gouverneursamt nach Presseberichten vom Montag. Die Beamten waren mit Wasserwerfern, Tränengas und Gummigeschossen gegen Teilnehmer der Gay Pride Parade im Zentrum von Istanbul vorgegangen. An dem Marsch für mehr Rechte für Schwule und Lesben hatten auch die Istanbuler Konsuln von Frankreich, Großbritannien und den USA teilgenommen.

Das Gouverneursamt erklärte, die Kundgebungsteilnehmer hätten keine Genehmigung für die Veranstaltung gehabt. Zudem habe es Hinweise auf mögliche Störaktionen anderer Gruppen gegeben. Bei der gewaltsamen Auflösung des Marsches habe es keine Verletzten gegeben, erklärte die Behörde weiter. Augenzeugen hatten dagegen von mindestens fünf Verletzten gesprochen. Im Internet und einem Teil der türkischen Medien stieß das Vorgehen der Polizei auf scharfe Kritik.

Die türkische Polizei hatte am Sonntag gewaltsam einen Homosexuellen-Marsch in Istanbul aufgelöst. Mit Wasserwerfern, Tränengas und vereinzelt auch Gummigeschossen trieben Polizisten tausende Teilnehmer der Gay Pride auseinander, die sich friedlich im Zentrum der Stadt versammelt hatten.

Schon zuvor war ein großes Polizeiaufgebot am Eingang der Fußgängerzone postiert, wo der Marsch stattfinden sollte. Der Zugang zum Taksim-Platz, Schauplatz wochenlanger Massenproteste gegen Erdogan im Sommer 2013, wurde vorsorglich gesperrt - seit dem gewaltsamen Ende der Proteste sind Kundgebungen auf dem Platz und in seiner Umgebung verboten.

Obwohl Homophobie in der Türkei ein großes Problem ist, waren Kundgebungen für mehr Rechte für Schwule und Lesben in der Vergangenheit ohne Zwischenfälle verlaufen. Vergeblich versuchten Vertreter der sozialdemokratischen Opposition im Parlament, die an dem Marsch am Sonntag teilnehmen wollten, mit den Polizisten zu verhandeln.

Journalisten, die über die Kundgebung berichten wollten, wurden von einer Gruppe Zivilisten angegriffen, die sich in der Nähe der Fußgängerzone versammelt hatte. Eine AFP-Fotografin wurde von den offenbar nationalistischen und islamistischen Angreifern leicht verletzt. Die Polizei schritt nicht ein. Die Beamten attackierten eine Videoreporterin von AFP, als diese die Polizeigewalt filmen wollte.

Im Internet stieß die gewaltsame Auflösung der Gay-Pride-Parade auf Empörung. »In einer Demokratie ist kein Platz für Angriffe auf Leute, die für die Liebe marschieren. Das ist einfach eine Schande«, schrieb der bekannte Komiker Erdem Yener auf dem Kurzbotschaftendienst Twitter.

Am Montagabend soll in Berlin eine solidarische Demonstration stattfinden. Um 17.00 Uhr wollen Menschen vor der türkischen Botschaft in Berlin, Tiergartenstraße 19-21, 10785 Berlin, sich gegen die Polizeigewalt und Homophobie in der Türkei positionieren. Agenturen/nd

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