Tierpark-Safari auf Rollen

In Friedrichsfelde können Besucher mit Segways die Gehege umrunden

  • Steffi Bey
  • Lesedauer: 3 Min.
Wer den größten Landschaftstiergarten Europas auf neue Art und Weise entdecken möchte, kann das jetzt per Segway. Der Tierpark bietet Safaritouren mit den elektronischen Fahrgeräten an.

Lang sind die Wege im Tierpark. Wollen Besucher jeden Winkel der vor 60 Jahren eröffneten Einrichtung sehen, müssten sie 25 Kilometer zurücklegen. Zu Fuß eine wahre Herausforderung. Aber nun gibt es ein neues Angebot: Die Gehege können auch mit einem Segway umrundet werden. »Unsere Safaris kommen gut an«, sagt Robert Morgenstern. Er gehört zum Unternehmen Yoove, das in Kooperation mit dem Berliner Tierpark die modernen Safaris durchführt. Derzeit hält er sich täglich in Friedrichsfelde auf und bringt mit dem elektronischen Zweirad unternehmungslustigen Gästen die Tierwelt näher.

Für die meisten ist es ein Gaudi, das unter höchster Konzentration und Muskelanspannung beginnt, im Laufe von zwei Stunden aber immer lockerer und entspannter wird. Marita, Ivonne, Ronny, Sabine und Rainer, die aus Lichtenberg, Hellersdorf und Kaulsdorf kommen, empfinden es jedenfalls so. Alle sind gespannt auf die Tour, hätten sich aber »den ersten Stehversuch leichter vorgestellt«, wie es Rainer formuliert.

Doch bevor es hinaus auf die viel frequentierten Wege geht, wird auf dem Hof der Tierparkschule geübt. Guide Robert erklärt das Fortbewegungsmittel, bei dem der Fahrer zwischen zwei nebeneinander angeordneten Rädern auf einer Plattform steht. Festgehalten wird sich an einer Lenkstange. »Das Segway fährt automatisch in die Richtung, in die ihr euch lehnt«, sagt Robert und macht es vor. Bedienelemente zum Bremsen oder Beschleunigen gibt es nicht. Dafür eine Klingel und einen Lautsprecher, der neben den Griffen hängt und aussieht wie ein großes Brillenetui.

Nur sechs Teilnehmer gehören jeweils zu einer Gruppe. Aber wo die rollenden Gefährten auftauchen, stehen sie im Mittelpunkt: Kinder winken, Erwachsene lächeln oder rufen auch mal »gute Fahrt« hinterher. Und manchmal stellen sie sich einfach dazu, wenn Guide Robert an einem der vielen Haltepunkte tierische Geschichten erzählt. Das kann bei den Eisbären sein, am Alfred-Brehm-Haus, bei den Elefanten, den Affen oder am Schloss Friedrichsfelde. Zwei Stunden dauert die besondere Führung.

Robert, der das seit Juni macht, kennt den Tierpark aus seiner Kindheit und freut sich über die neue Aufgabe. Er orientiert sich zwar an dem vom Tierpark vorgegebenen Script, kann aber auch »abweichende Fragen« beantworten. Schließlich hat er seit vorigem Jahr sein Biologie-Diplom in der Tasche.

»Es ist interessant, was er erzählt«, sagen Marita und Ivonne. Doch dann geben sie zu, dass sie sich eigentlich »ziemlich doll auf das Fahren konzentrieren«. Ihren Eltern und ihrem Bruder geht es ähnlich. Aber trotzdem finden sie die Safari »richtig cool«. Zudem staunen alle, »wie schön der Tierpark ist«. Schließlich sind sie seit der Wende das erste Mal wieder hier. Dass es große Pläne für den größten Landschaftspark Europas gibt, haben sie gehört. Und deshalb wollen sie auf jeden Fall wieder kommen.

Dieses positive Echo dürfte vor allem Zoo- und Tierparkdirektor An-dreas Knieriem freuen. Der hofft, »mit diesem zeitgemäßen Angebot mehr Touristen, aber auch neue Zielgruppen beispielsweise aus Friedrichshain und Kreuzberg in den Tierpark zu locken«, wie er bei der Segway-Präsentation betonte.

Gebucht werden können die Segway-Safaris unter www.tierpark-berlin.de. Kosten inklusive Tierpark-Eintritt: 69 Euro für Erwachsene, Kinder zahlen 63 Euro.

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