Teure Fotos von unterwegs

Blitzer bringen nicht nur Land und Kommunen Geld ein - in Thüringen verdient Jenoptik mit

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Für den Autofahrer ist es ärgerlich, das Land und die Kommunen freut es: Temposünder bringen Millionen-Beträge in die Kassen. In Thüringen wächst die Summe, manche Kommune will noch nachrüsten.

Erfurt. In Thüringen bescheren Temposünder Land und Kommunen unerwartet hohe Einnahmen. Zu schnelle Autofahrer mussten im vergangenen Jahr allein in die Landeskasse 22,3 Millionen Euro einzahlen, wie ein Sprecher der Landespolizeidirektion auf Anfrage sagte. 2013 waren es noch 21,6 Millionen Euro. Die Zahl der geblitzten Autofahrer stieg in diesem Zeitraum leicht an: von 694 599 auf 695 961. Einer dpa-Umfrage unter den großen Städten Thüringens zufolge kassierte Jena am meisten ab. Einige Kommunen wollen nun weitere Blitzer aufstellen.

Die Stadt Jena verhängte im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben 1,8 Millionen Euro an Buß- und Verwarngeldern, weil Fahrzeuge schneller unterwegs waren als erlaubt. Im ersten Halbjahr dieses Jahres waren es bereits 1,1 Millionen. 2013 mussten Autofahrer noch 2,4 Millionen Euro zahlen. In Jena gibt es zehn fest installierte Blitzer an vier Standorten. Sie werden ähnlich wie in Erfurt und Weimar von dem Jenaer Technologiekonzern Jenoptik betrieben.

In Weimar sind im vergangenen Jahr dagegen deutlich mehr teure Blitzer-Fotos verschickt worden als im Jahr zuvor. Die Einnahmen beliefen sich laut der Statistik der Stadt auf 1,7 Millionen Euro, 400 000 Euro mehr als 2013. Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres brachten Temposünder der Stadt schon fast 605 000 Euro. Damit die Blitzer schnelle Fahrzeuge überhaupt erwischen, muss Geld in die Anlagen gesteckt werden. Die Kosten für die Geräte betrugen 2014 nach Angaben der Weimarer Verwaltung rund 225 000 Euro.

Thüringens Landeshauptstadt Erfurt verweist bei den Kosten auf eine Fallpauschale, die Jenoptik für seine »Aufwendungen« erhält. Die Höhe der Pauschale sei vertraglich geregelt, alle Beteiligten hätten sich zur Verschwiegenheit verpflichtet, erklärte eine Sprecherin. Sie verwies darauf, dass der Betreiber das wirtschaftliche Risiko zu annähernd 100 Prozent selbst trage. Jenoptik hatte am Dienstag mitgeteilt, dass beim Segment Messtechnik der Umsatz im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 15 Prozent stieg.

In Erfurt wurden 2014 rund eine Million Euro durch Temposünder eingenommen. Im ersten Quartal dieses Jahres sind es nach Angaben der Verwaltung rund 418 000 Euro gewesen. 741 000 Euro waren es 2013. In Erfurt stehen an drei Orten Blitzer. Weitere sollen folgen. »Eine abschließende Festlegung zu den Standorten gibt es derzeit noch nicht«, sagte Sprecherin Heike Dobenecker. Blitzer sollen ihren Angaben zufolge für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen. Hätten die Geräte anfangs noch etwa 300 Mal am Tag ausgelöst, gebe es mittlerweile lediglich 80 Fälle.

In Eisenach verfügt die Stadt seit dem Frühjahr über einen mobilen Blitzer. Dieser brachte - zusammen mit der festen Blitzersäule - im ersten Halbjahr 330 000 Euro ein. 2014 bescherten Raser der Stadt 437 000 Euro. Ein weiterer Blitzer solle voraussichtlich 2016 folgen, erklärte eine Sprecherin. Die Stadt Suhl betreibt nach eigenen Angaben kein Messgerät für Geschwindigkeiten - Gera ebenfalls nicht, will aber künftig welche aufstellen. Durchschnittlich 265 000 Euro bringen die mobilen Blitzer pro Jahr in die Kasse. dpa/nd

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