Report: Shell täuscht die Öffentlichkeit
Kaum Fortschritte bei Säuberung des Niger-Deltas
Lagos. Die Vorwürfe gegen den britisch-niederländischen Konzern Shell finden sich in einem Bericht, der am Dienstag von Amnesty International und der nigerianischen Menschenrechtsorganisation CEHRD veröffentlicht wurde. Shell habe Empfehlungen des UN-Umweltprogramms UNEP zur Säuberung des Niger-Deltas entgegen eigener Darstellung großteils nicht umgesetzt, heißt es.
Die beiden Organisationen stellen fest, dass 13 von 15 untersuchten Gebieten im Zentrum des riesigen Flussdeltas in dem westafrikanischen Land weiterhin »sichtbar verschmutzt« oder verseucht seien. Dort habe keine oder eine nur unzulängliche Reinigung der Natur von ausgetretenem Öl stattgefunden, wodurch Tausende Menschen »auf Jahre und Jahrzehnte« mit »Verseuchungen in Land, Luft und Wasser« leben müssten, sagte Amnesty-Forscher Mark Dummet. Neben Shell soll auch die nigerianische Regierung den Fortschritt der Säuberungsarbeiten falsch dargestellt haben.
Shell wies die Vorwürfe der Menschenrechtsorganisationen zurück. In einem Brief des Konzerns hieß es, Shell habe auf alle UNEP-Empfehlungen hin reagiert und sein Vorgehen öffentlich dokumentiert. Die UN-Behörde hatte in ihrem Bericht 2011 geschätzt, dass die Säuberung des Niger-Deltas die bislang weltgrößte Umweltreinigungsaktion werden und sich über einen Zeitraum von 25 bis 30 Jahren erstrecken könnte.
Der Bericht der Menschenrechtsgruppen erscheint eine Woche vor dem 20. Jahrestag der Hinrichtung des nigerianischen Schriftstellers und Umweltaktivisten Ken Saro-Wiwa. Er wurde 1995 nach einem geheimen Prozess von Nigerias damaliger Militärregierung wegen Mordes verurteilt und hingerichtet. Zuvor hatte er maßgeblich Anteil daran, dass die durch Ölförderung verursachten Umweltschäden im Niger-Delta ins Interesse der Weltöffentlichkeit rückten. Shell hatte die Förderung dort 1993 eingestellt, betreibt im Delta aber noch immer zahlreiche Pipelines.
Die Ölreserven im Niger-Delta machen Nigeria zum größten Förderer in ganz Afrika. Dennoch lebt die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung des Deltas in Armut. Durch Umweltschäden in der Region sind die bedeutendsten dortigen Wirtschaftszweige, Landwirtschaft und Fischerei, stark gefährdet. AFP/nd
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