Im Bayerischen Wald fehlt es an Wasser - im Rhein auch

Seit Wochen müssen mehrere Kommunen im Kreis Regen mit Tankfahrzeugen beliefert werden, in anderen Regionen hat die Schifffahrt Probleme

  • Lesedauer: 3 Min.
Wasserknappheit in Ostbayern: Einige Gemeinden haben akuten Trinkwassermangel und brauchen Hilfe aus Nachbarorten. Auch große deutsche Flüsse haben derzeit Wasserprobleme.

Philippsreut. Nach zwei schneearmen Wintern und dem trockenen Sommer gibt es in einigen Gemeinden im Bayerischen Wald nicht mehr genug Trinkwasser. Der Wintersportort Mitterfirmiansreut in der Gemeinde Philippsreut (Landkreis Freyung-Grafenau) beispielsweise muss seit rund sechs Wochen mit Tankfahrzeugen beliefert werden. Eine Gemeindesprecherin bestätigte am Mittwoch entsprechende Medienberichte. Betroffen sind vor allem Dörfer, die nicht an die Trinkwassertalsperre in Frauenau (Landkreis Regen) angeschlossen sind, sondern ihre Wasserversorgung aus eigenen Quellen organisieren.

Eine Besserung der Lage sei nicht absehbar, hieß es in Philippsreut. Schon vor einigen Jahren habe man kurzzeitig einmal Tankwagen zur Wasserversorgung einsetzen müssen. Sonnens Bürgermeister Hans Binder (CSU) sagte: »Man weiß nicht, wie es sich entwickelt.« Wenn die Winter im Bayerischen Wald auch künftig so schneearm seien, würden die Grundwasserspeicher wohl nicht mehr ausreichend aufgefüllt. Er habe die Bürger bereits zum Wassersparen aufgerufen.

Die Trinkwassertalsperre Frauenau, über die der Großteil der Gemeinden versorgt wird, ist nach Angaben des Landesamts für Umwelt (LfU) noch ausreichend mit Wasser gefüllt. Die Reserven würden laut Wasserwirtschaftsamt Deggendorf auch für ein weiteres Trockenjahr ausreichen.

Niedrige Wasserstände sind im Herbst nichts Ungewöhnliches. Ein nasser Winter gleicht das bis zum Frühjahr in der Regel wieder aus. Die Besonderheit im Bayerischen Wald ist, dass es durch den Untergrund aus Granit und Gneis keine zusammenhängenden Grundwasservorkommen gibt. Für die Trinkwasserversorgung kann nur oberflächennahes Wasser genutzt werden - aus Quellen, die vor allem von Niederschlägen gespeist werden.

Zu wenig Wasser derzeit auch im Rhein: Der sinkende Pegel beeinträchtigt die Schifffahrt immer mehr. »Die Schiffe können bei uns nur noch die Hälfte oder ein Drittel laden«, sagte der stellvertretende Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Bingen, Florian Krekel, der dpa. »In den nächsten zehn Tagen wird es wohl weiter runtergehen«, ergänzte er mit Blick auf die stabile Hochdrucklage. »Falls es kalt wird und schneit, sind die Niederschläge gebunden, dann geht es erst noch weiter bergab.«

Dem Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach zufolge könnten bei anhaltender Trockenheit demnächst neue Negativrekorde bei Flusspegeln in Deutschland fallen. Der Oktober habe sich im Jahresvergleich als neunter Monat in Folge in einem zu trockenen Gewand präsentiert. Auch die Elbe und vor allem die Donau zeigten niedrige Wasserstände. Der Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt in Duisburg, Jörg Rusche, sagte, mit dem sogenannten Kleinwasserzuschlag glichen Kunden die Mehrkosten der Frachtunternehmen teils aus. In vielen Fällen gebe es aber wirtschaftliche Beeinträchtigungen. »Wir müssen mehr Schiffe und mehr Besatzungen vorhalten«, sagte Rusche.

Am Nieder- und Oberrhein sei die Fahrrinne allerdings tiefer als am Mittelrhein im Rheinischen Schiefergebirge. Daher könnten die Schiffe dort noch etwas mehr laden als bei Bingen. Trotz Niedrigwasser würden sich aber derzeit nicht mehr Frachter auf dem Rheingrund festfahren: »Wir haben keine signifikante Zunahme von Unfällen.« dpa/nd

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