Überdüngung schafft Todeszonen in der Ostsee
Stralsund. Die Landwirtschaft ist nach Einschätzung von Experten Hauptverursacher für Nähstoffeinträge in die Ostsee. Wer die Überdüngungen der Ostsee stoppen und Todeszonen verhindern wolle, der müsse gemeinsam mit den Landwirten Lösungen finden, sagte die Agrarreferentin des World Wide Fund For Nature (WWF), Birgit Wilhelm, in der vergangenen Woche auf einer internationalen Tagung der Umweltorganisation in Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern).
Nach Angaben des Umweltbundesamtes gelangten allein im Jahr 2012 knapp 31 000 Tonnen Phosphor und 872 000 Tonnen Stickstoff in die Ostsee. Diese Einträge müssten gemäß der Berechnungen für den Ostseeaktionsplan auf knapp 22 000 Tonnen Phosphor und 792 000 Tonnen Stickstoff reduziert werden, damit die Ostsee einen »guten Zustand« in Bezug auf Eutrophierung erreicht, sagte Wera Leujak vom Umweltbundesamt.
Aus der Landwirtschaft stammten demnach 70 bis 90 Prozent der diffusen Stickstoffeinträge und 60 bis 90 Prozent der diffusen Phosphoreinträge, die über die Flüsse in die Ostsee gelangen. Die Landwirtschaft, insbesondere die Viehhaltung, habe auch den größten Anteil an den Einträgen von Ammoniak in die Ostsee. »Der Anteil der Landwirtschaft ist im letzten Jahrzehnt stark gestiegen, weil andere Quellen wie beispielsweise Einträge aus Kläranlagen, rückläufig sind«, so Leujak weiter. Eine weitere wichtige Eintragsquelle von atmosphärischem Stickstoff in die Ostsee sei die Schifffahrt, deren Anteil aufgrund des zunehmenden Schiffsverkehrs auf Nord- und Ostsee ebenfalls gestiegen sei.
Um die Situation zu verbessern, müssten Nährstoffüberschüsse in der Landwirtschaft nach Angaben des Umweltbundesamtes durch ein angepasstes Düngemanagement reduziert werden. Zudem sollten ausreichend breite Gewässerrandstreifen angelegt und der ökologischen Landbau ausgeweitet werden. Auch die Verringerung der Viehbestände insbesondere in Regionen mit hohen Besatzdichten trage zu einer Reduzierung der Nährstoffeinträge bei. Darüber hinaus sollten Stickstoff-Emissions-Überwachungsgebiete in Nord- und Ostsee eingerichtet werden, die zu einer Verringerung der Stickstoffeinträge aus der Schifffahrt beitragen würden. dpa/nd
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