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Schweiz: Erneut FIFA-Funktionäre festgenommen

Polizeiaktion kurz vor Beratungen des Exekutivkomitees des Fußball-Weltverbands / Ermittlungen wegen Geldwäsche und Betrug

  • Lesedauer: 3 Min.

Berlin. Kurz vor weiteren Beratungen des Exekutivkomitees des Fußball-Weltverbands FIFA in der Schweiz gibt es erneut Festnahmen. Die Polizei habe es um 6.00 Uhr am Morgen das Luxushotel Baur en Lac in Zürich durch einen Seiteneingang betreten. Die Beamten suchten demnach nach Funktionären, denen unter anderem Geldwäsche und Betrug vorgeworfen wird. Zu den Festgenommenen soll ersten Informationen zufolge unter anderem der Concacaf-Funktionär Alfredo Hawit gehören.

Angeführt werden die Ermittlungen dem Bericht zufolge von US-Behörden. Die FIFA bestätigte die Polizeiaktion inzwischen. In dem Hotel hatte es bereits Ende Mai am Rande einer FIFA-Sitzung Durchsuchungen gegeben. Mehrere Funktionäre waren damals festgenommen worden. Auf der zweitägigen Sitzung der FIFA-Exekutive, die am Donnerstag endet, steht unter anderem die Diskussion über den Reformkatalog für den krisengeschüttelten Weltverband auf der Tagesordnung.

Die FIFA wollte ursprünglich bei einer Sitzung mit einem umfassenden Reformprogramm die Grundlage für demokratischere Strukturen schaffen. Die Mitglieder des Exekutivkomitees im Fußball-Weltverband um Ex-DFB-Chef Wolfgang Niersbach sollten am Donnerstag in Zürich über die Vorschläge der eigenen Reformkommission unter dem Vorsitz des Schweizers Francois Carrard beraten.

Als sicher galt bisher die Verabschiedung einer Amtszeitbeschränkung für alle führenden FIFA-Funktionäre auf maximal zwölf Jahre. Eine Alterbeschränkung auf 74 Jahre war zuletzt zumindest kontrovers diskutiert worden. Vorschläge dieser Art waren zuletzt beim FIFA-Kongress 2014 in Sao Paulo noch abgelehnt worden.

Gravierende Veränderungen könnte eine Neuorganisation des Exekutivkomitees selbst bringen. Abzuwarten blieb aber, ob die Mitglieder des Gremiums zu einer Beschneidung ihrer Befugnisse bereit sind. Carrard hatte in seinem Grundsatzpapier im Oktober eine klare Trennung von politischen Funktionen und Managementaufgaben gefordert. Bislang üben die 25 regulären Exko-Mitglieder beides aus.

Auch der Chef der FIFA-Compliance-Kommission Domenico Scala hatte die Gefahr der »Mehrfachfunktionen« von FIFA-Funktionären in seinem Ausgangsbericht im Sommer ausgemacht. Scala gilt als tatsächlicher Architekt der Reformagenda.

Carrard war zuletzt eine passive Haltung vorgeworfen worden. In seiner Kommission sitzen auch Mitglieder der Konföderationen, die bislang eher als Reformgegner in Erscheinung getreten waren. Kritisch wurde zuletzt besonders die Rolle des einflussreichen Scheich Ahmad Al-Fahad Al-Sabah aus Kuwait gesehen.

Auf der Agenda steht auch die Entscheidung für eine Offenlegung der Bezüge von Präsident, Generalsekretär und Exekutivmitgliedern. Der suspendierte Langzeitvorsitzende Joseph Blatter hatte dies immer abgelehnt.

Sollten die Exko-Mitglieder Reformvorschläge bewilligen, müssen diese noch vom außerordentlichen Kongress am 26. Februar in Zürich bestätigt werden. Veränderungen an den FIFA-Statuten bedürfen laut Artikel 26, Absatz 4 der Satzung einer Dreiviertel-Mehrheit. Mindestens die Hälfte der 209 Mitgliedsländer muss bei der Abstimmung anwesend sein. Agenturen/nd

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