US-Bomber droht Kim

Demonstrativer Flug nach Atomtest über Südkorea

  • Jung Yeon-Je, Seoul
  • Lesedauer: 3 Min.
Vier Tage nach dem neuen Atomtest der Volksrepublik Korea haben die USA in einer Machtdemonstration einen Kampfbomber in den Luftraum über Südkorea geschickt.

Ein Bomber vom Typ B-52 habe den Luftwaffenstützpunkt Osan am Sonntag überflogen und sei dann zu seinem Stützpunkt auf der Pazifikinsel Guam zurückgekehrt, teilte das US-Militär am gleichen Tage mit. Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un bezeichnete den Atomtest als Akt der »Selbstverteidigung«. Begleitet wurde der B-52-Bomber von einem südkoreanischen und einem US-Kampfjet. Der Stützpunkt Osan liegt gut 70 Kilometer von der nordkoreanischen Grenze entfernt. Die US-Streitkräfte erklärten, der Überflug sei als »Antwort auf den jüngsten provokativen Akt durch Nordkorea« zu verstehen.

Der US-Luftwaffengeneral Terrence O’Shaughnessy sagte, der Wille der USA zur Verteidigung Südkoreas sei »eisern«. Dies gelte auch für eine »ausgeweitete Abschreckung durch unsere konventionellen Streitkräfte und unseren atomaren Schutzschirm«. Ein neues gemeinsames Manöver Südkoreas und der USA wird für März erwartet.

Pjöngjang hatte am Mittwoch verkündet, erfolgreich eine Wasserstoffbombe getestet zu haben, und damit international für Empörung gesorgt. Atomexperten und die US-Regierung bezweifeln allerdings, dass es sich tatsächlich um eine Wasserstoffbombe handelte. Nordkorea hatte bereits in den Jahren 2006, 2009 und 2013 Atomtests vorgenommen.

B-52-Bomber, die auch atomare Waffen tragen können, waren bereits bei gemeinsamen Manövern mit den südkoreanischen Streitkräften im Einsatz. Flüge über Südkorea werden vom US-Militär aber nur selten öffentlich gemacht. Zuletzt war dies nach dem dritten nordkoreanischen Atomtest der Fall, als B-52- und B-2-Bomber nach Südkorea geschickt wurden.

Kim sagte indes laut der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA, bei dem Atomtest sei es darum gegangen, den Frieden auf der koreanischen Halbinsel vor einem von »US-geführten Imperialisten« verursachten Atomkrieg zu schützen. Dies sei das »legitime Recht eines souveränen Staats« und »faires Handeln, das niemand kritisieren kann«. Kim äußerte sich dem Bericht zufolge bei einem Besuch des Verteidigungsministeriums, bei dem er den nordkoreanischen Streitkräften zu der »erfolgreichen« Explosion gratulierte. »Die Tage, in denen die USA Nordkorea mit Atomwaffen bedrohen konnten, sind vorbei und werden nicht zurückkehren«, schrieb die staatliche Zeitung »Rodong Sinmun«.

Am Samstag verwies KCNA in einem Kommentar auf das Schicksal der langjährigen Machthaber in Irak und in Libyen, Saddam Hussein und Muammar al-Gaddafi. Diese hätten der »Zerstörung« nicht entkommen können, nachdem ihnen »die Basis für nukleare Entwicklung« genommen worden sei. Beide hatten ihre Atomprogramme aufgegeben müssen.

Formal befinden sich Süd- und Nordkorea im Kriegszustand, weil nach dem Koreakrieg 1950 bis 1953 kein Friedensvertrag geschlossen wurde. Pjöngjang droht immer wieder mit Angriffen auf Südkorea und die USA. Als Reaktion auf den Atomtest nahm Südkorea seine Propagandabeschallung an der Grenze zum Norden wieder auf. AFP

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