Rettet der Regenwald unser Klima?

Neues Forschungsprojekt im Norden Amazoniens geplant

  • Norbert Suchanek
  • Lesedauer: 2 Min.

Das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) ist zugleich notwendiger »Treibstoff« der Photosynthese. Das von der Staatliche Universität São Paulo (UNESP) geleitete Experiment AmazonFACE soll deshalb herausfinden, ob uns die tropischen Regenwälder beim Klimaschutz aus der Klemme helfen können.

FACE steht für »Free-Air Carbon dioxide Enrichment«, was soviel heißt wie Anreicherung des Kohlendioxids in der Umgebungsluft. Das Testprinzip ist einfach. Man sprüht reines Kohlendioxid kontinuierlich in den Wald, um die durch den fossilen Brennstoffverbrauch erhöhten atmosphärischen CO2-Konzentrationen in der Zukunft zu simulieren. Wie reagiert der Wald? Führt der erhöhte CO2-Gehalt zu mehr Pflanzenwachstum und können die Bäume den zusätzlichen Kohlenstoffeintrag speichern? Ähnliche FACE-Experimente wurden bereits in mehr als einem Dutzend Länder durchgeführt, doch noch nie in den Tropen.

Projektort ist das Biologische Reservat von Cuieiras, etwa 60 Kilometer nördlich von Manaus. Dort werden über einen Zeitraum von zwölf Jahren vier Regenwaldflächen von jeweils 700 Quadratmetern mittels perforierter Rohrleitungen und 35 Meter hohen Türmen mit CO2 begast. Die Forscher wollen die lokale CO2-Konzentration auf das Doppelte des vorindustriellen Niveaus zu erhöhen, was dem Niveau entspricht, das wir bei weiterer Nutzung fossiler Brennstoffe bis 2050 zu erreichen drohen.

Die Kosten des Langzeitexperiments, an dem neben der UNESP auch die brasilianischen Amazonasforschungsinstitute INPA und INPE sowie das Oak Ridge National Laboratory in den USA beteiligt sind, werden auf weit mehr als 20 Millionen US-Dollar veranschlagt. Bislang stünden dem Projekt allerdings nur vier Millionen US-Dollar zur Verfügung, was zumindest für die zweijährige Startphase von AmazonFACE ausreiche, erläutert Forschungsleiter David Lapola von der Landesuniversität São Paulo. Klimaforscher wie Scott Denning hoffen auf eine Bestätigung der Theorie des Düngeeffekts durch vermehrtes CO2 in Amazonien. »Das wäre wunderbar für die Menschheit«, zitiert ihn das Fachblatt »Science« in einem kürzlich erschienen Bericht.

Der US-Biologe Richard Norby vom Oak Ridge National Laboratory allerdings befürchtet eher, dass diese Träume platzen. Norbys eigene FACE-Experimente im gemäßigten Tennessee zeigten, dass die Bäume zwar zunächst schneller wachsen. Doch diese positive, die globale Erwärmung bremsende Wirkung halte nur über wenige Jahre an. Der US-Forscher erwartet ein ähnliches Ergebnis im tropischen Amazonasgebiet. Grund sei der natürliche Mangel an Phosphor, einem kritischen Pflanzennährstoff in den meisten Amazonasböden.

Wie auch immer die Ergebnisse ausfallen: Weite Gebiete Amazoniens werden bis dahin nicht mehr bewaldet sein. Der Kahlschlag hat sich zwischen Februar und März dieses Jahres gegenüber dem Vorjahreszeitraum nahezu verdoppelt.

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