Linke Initiative besetzt Haus in den Dresden
Aktivisten fordern soziales Zentrum für alle / Gespräche mit dem Eigentümer laufen
Mitglieder der linken Initiative »Social Center 4 all« haben am Samstagabend in der sächsischen Landhauptstadt Dresden für einige Stunden ein seit Jahren leer stehendes Haus besetzt. Gegen 20.30 Uhr verschaffte sich die Gruppe Zutritt zu der Immobilie in der Leipziger Vorstadt. Ziel der Besetzung ist es, in dem Haus in ein soziales Zentrum einzurichten. Man wolle einen Ort schaffen, an dem gemeinschaftlich offen Räume entstehen, die allen offen stehen, heißt es in einer auf der alternativen Medienplattform linksunten.indymedia verbreiteten Erklärung. »Außerdem soll aufgezeigt werden, dass es die viel beschworene Knappheit an Wohnraum nicht gibt, sondern Wohnraum als Ware gilt, mit der Profit generiert werden muss. Deshalb hat sich die Initiative den vorhandenen Leerstand in ihrer Nachbarschaft angeeignet«, hieß es weiter. In Dresden steigen die Mieten seit Jahren an, besonders in der gerade bei Studierenden, Künstlern und jungen Familien beliebten Neustadt steigen die Preise für Wohnraum rasant an.
»Es gibt bereits jetzt viele Ideen den zuvor leerstehende Raum mit Leben zu füllen, wie z.B. Beratungsangebote, Sprachkurse, gemeinsames Kochen und politische Debatten. Es kann Ausgangspunkt sein sich besser im Viertel zu vernetzen, sich weitergehend politisch zu organisieren und Solidarität praktisch werden zu lassen. Außerdem sind verschiedene Veranstaltungen, Vorträge oder die Nutzung als Wohnraum denkbar«, so ein Sprecher von »Social Center 4 all«.
Wie die »Dresdner Neuesten Nachrichten« berichten, haben sich an der Besetzung zeitweise etwa 100 Menschen beteiligt. Wie es heißt, hätten die Aktivisten bereits am Samstagabend damit begonnen, in der renovierungsbedürftigen Immobilie für Ordnung zu sorgen.
Inzwischen haben die Besetzer das Haus nach Rücksprache des in Hamburg lebenden Besitzers zunächst wieder verlassen und campieren seitdem auf dem Bürgersteig davor. Auch am Sonntagvormittag habe es erneute Gespräche mit dem Eigentümer gegeben. Ergebnisse wurden bisher allerdings noch nicht verkündet.
Linke Aktivisten setzen sich in Dresden schon länger für die Schaffung eines interkulturellen Zentrums ein. Erst im Frühjahr hatte der neu gegründete Verein »Elixir« an den Stadtrat appelliert, ein anderes Haus in der Königsbrücker Straße für solch ein Zentrum freizugeben. Obwohl sich sowohl die Fraktionen von LINKEN, Grünen und die Piraten dafür aussprechen, scheitert der Plan bisher an der SPD, die sich mehrheitlich für einen Verkauf des Gebäudes ausspricht.
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