Hoff: DDR hat Christen diskriminiert
Thüringer Kulturminister kritisiert Geschichtsaufarbeitung der Landesregierung
Jena. Thüringens Landesregierung hat eine bis heute nachwirkende Christen-Diskriminierung in der DDR eingeräumt. Diese Geste wurde von Kirchenvertretern positiv aufgenommen. Als »bemerkenswert« bezeichnete der Vertreter der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) bei Landesregierung und Landtag, Christhard Wagner, entsprechende Äußerungen durch Thüringens Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff (LINKE). Sein Kollege Winfried Weinrich vom Bistum Erfurt sprach von einem hoffnungsvollen Signal.
Hoff hatte sich am Samstag in einer Rede auf dem Landesgeschichtstag in Jena kritisch über die Diskriminierung von Christen in der DDR geäußert. Die beim Amtsantritt von Rot-Rot-Grün versprochene Aufarbeitung der Geschichte würdige das Thema noch nicht ausreichend: »Die Kritik von Christen am Bericht der Landesregierung zum Stand der Aufarbeitung der SED-Diktatur ist berechtigt«, sagte Hoff, der auch Chef der Thüringer Staatskanzlei ist.
Der Minister habe die Impulse und Erwartungen der Kirchen aufgenommen und angedeutet, in welche Richtung die Aufarbeitung gehen sollte, sagte Wagner dem epd. Neben der Würdigung der Einzelfälle müsse auch das System der Unterdrückung sichtbar werden, forderte er. Auch dafür, dass Hoff Defizite bei dem Thema in der LINKEN benannt hat, gebühre dem Kulturminister Dank. »Wir hoffen, seine Worte werden gehört und eröffnen nächste Aufarbeitungsschritte«, sagte Wagner.
Hintergrund der Debatte sind neben dem Bericht der Landesregierung auch missverständliche Äußerungen der dafür zuständigen Staatssekretärin Babette Winter (SPD). Dies hatte zu Verstimmung zwischen Regierung und Kirchen in Thüringen geführt. Bei einem ökumenischen Gesprächsforum vor einem Monat hatte sich die Kritik vor allem an der Feststellung entzündet, Christen stellten keine herausgehobene Opfergruppe dar.
Vor allem die Ungleichbehandlung in der Bildungspolitik sei »die wohl nachhaltigste Auswirkung der SED-Diktatur«, hatte Hoff hingegen in seiner Jenaer Rede betont. Allein in Thüringen gebe es bislang 753 Anträge auf Anerkennung als verfolgter Schüler, von denen angenommen werden könne, dass ein Großteil aus religiösen Gründen verfolgt wurde. »Wir wissen freilich, dass auch dies nur die Spitze des Eisberges ist«, erklärte der Kulturminister. epd/nd
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