Modellprojekt ohne Gelinggarantie
Das Dragonerareal in Berlin-Kreuzberg soll Beispiel neuer Bürgerbeteiligung werden, verspricht der Senat. Nicolas Šustr hält das für eine Herausforderung
Es war vor allem ein Sieg der Initiativen, dass Berlin den Bund gezwungen hatte, das bereits an einen Investoren verkaufte Filetgrundstück Dragonerareal wieder herauszurücken. Mit penetranter Beharrlichkeit forderten sie die fünf Hektar ein, die Hoffnung auf eine Stadtentwicklung jenseits der Marktlogik im Zentrum der Hauptstadt machen.
Der rot-rot-grüne Berliner Senat und der grün regierte Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hatten letztlich keine andere Wahl, als den Initiativen und Anwohnern große Mitsprache bei der künftigen Nutzung einzuräumen. Alle Seiten rufen das Verfahren nun zu einem Modellprojekt aus, wie eine echte Bürgerbeteiligung künftig aussehen soll. Ein »Zukunftslabor der Stadtentwicklung« nennt der grüne Bezirksbaustadtrat Florian Schmidt das Projekt. Auch die Initiative »Stadt von unten« freut sich, dass es mal nicht nur um einen »Abwehrkampf« geht. Die Begeisterung klingt von allen Seiten ehrlich.
Die Verwaltungsmitarbeiter stöhnen eher. Die Vorschläge der Bürger klingen nicht so, als ob sie routiniert abgearbeitet werden könnten. Ein Graus für Beamte. Bleibt zu hoffen, dass nicht bald die Sachzwangkeule herausgeholt wird, um den gewohnten Verwaltungstrott zu gewährleisten. Denn dann stünde Rot-Rot-Grün vor den Scherben des Modellprojekts.
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