Die Lebenslast der Literaten
»Dass keine große Tageszeitung vom Erscheinen meines Romans Kenntnis genommen hat, bestätigt mit Nachdruck meinen Status als anonymer Passant.« - Welch stolzes Selbstmitleid, welche Kränkung!
»Die Sache mit der Literatur« heißt das neue Buch von Jean-Philippe Delhomme, der solche Künstlerschmach nicht kennen dürfte, weil er mit seinen Cartoons weltweit Erfolg hat. Zudem hat er zwischen 1999 und 2005 drei Romane geschrieben, die allerdings noch nicht ins Deutsche übersetzt sind. Also doch »Probleme, den Drang zu schreiben mit meinem Streben nach Ruhm in Einklang zu bringen«? Die Tragik: Ein Buch braucht Leser, um lebendig zu werden. Die findet es aber nur, wenn es gedruckt und vermarktet wird. Es hängt also nicht nur vom eigenen Talent ab, wie ein Autor in der Konkurrenz mit den anderen besteht. Auch sind es einfach zu viele.
Einen Jahrmarkt der Eitelkeiten könnte man nennen, was uns der französische Künstler mit Witz und feiner Beoachtungsgabe vor Augen führt. Welch seltsame Posen, welch komische Verrenkungen, um Aufmerksamkeit zu erregen! Aber in aller Verdrehtheit ist es ein Kampf um künstlerische - auch materielle - Existenz, in dem das Erbärmliche neben dem Großartigen wohnt (Liebeskind, 96 S., geb., 20 €).
Irmtraud Gutschke
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.