Verhaltene Freude
Nach dem Bären
Der Berlinale-Gewinnerfilm »Touch Me Not« wird wahrscheinlich dieses Jahr ins Kino kommen. Die Verhandlungen stünden kurz vor dem Abschluss, sagte Laurin Dietrich von der PR-Agentur Wolf. »Es gibt noch kein Datum.« Bereits vor der Preisverleihung gab es demnach Interesse an dem radikalen rumänischen Experimentalfilm. Regisseurin Adina Pintilie erforscht in ihrem Erstling die Spielarten und Grenzen menschlicher Sexualität.
Die Entscheidung der Festivaljury um Präsident Tom Tykwer löste ein geteiltes Echo aus. Der britische »Guardian« nannte den Gewinnerfilm »doof« und »seicht«. Die »Süddeutsche Zeitung« fand, es sei eine »mutige, richtige Entscheidung«. In Rumänien ist der Film mit verhaltener Freude aufgenommen worden. »Adina Pintilie hat eben in Berlin den Goldenen Bären bekommen! Das ist Rumänien, nicht die Zunft der Räuber«, schrieb der Schriftsteller Mircea Cartarescu bei Facebook. Sein Post bezog sich auf Konflikte vieler ranghoher korruptionsverdächtiger Politiker mit der Justiz. Auch Staatspräsident Klaus Iohannis gratulierte der 38-Jährigen kurz bei Facebook.
Angesichts der expliziten Sex-Szenen dürfte Pintilies Film ähnlich wie in Deutschland auch in Rumänien geteilte Reaktionen auslösen. Vorsichtig äußerte sich die Filmkritikerin Irina Margareta Nistor, eine der wenigen aus Rumäniens Fachwelt, die Pintilies Werk gesehen haben: »Der Film ist schwer anzusehen«, sagte sie im rumänischen Fernsehen. Sie mochte sich nicht entscheiden, ob ihr die Arbeit gefallen hat. »Der Film löst Gefühle aus. Aber das tut auch Folter.« Nistor war Mitglied der Jury der staatlichen rumänischen Filmförderanstalt CNC, als diese einen Antrag auf Förderung für »Touch Me Not« ablehnte. dpa/nd
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.