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Klimawandel vertreibt Millionen
Weltbank: 140 Millionen Menschen betroffen
In den nächsten Jahrzehnten werden Millionen Menschen infolge des Klimawandels zur Flucht gezwungen sein, falls die Politik nichts gegen die Ursachen des Klimawandels unternimmt. Einem neuen Bericht der Weltbank zufolge werden bis 2050 allein in Subsahara-Afrika mehr als 80 Millionen Menschen vor den Klimaänderungen fliehen. Weitere 40 Millionen Menschen werden in Südasien und 17 Millionen in Lateinamerika vom Land in die Städte vertrieben. Fast drei Prozent der Bevölkerung würden dann in diesen Regionen auf der Flucht sein.
Die Studie soll ein Weckruf sein - den die Weltbank aus Sicht von Umweltschützern wohl selbst erst brauchte. »Die Erkenntnis, dass bestimmte Gebiete infolge des Klimawandels schlechter bewohnbar oder nicht mehr für die Landwirtschaft geeignet sind, ist nicht neu«, sagt Jürgen Maier vom Forum Umwelt und Entwicklung. Dass der Klimawandel die Migration erhöhen wird, sei seit Jahrzehnten bekannt. »Aber wir begrüßen natürlich, dass nun auch die Weltbank endlich bemerkt hat, welche dramatischen Auswirkungen der Klimawandel haben wird.«
Benjamin Schraven vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik kann dem Weltbank-Report auch etwas Gutes abgewinnen, denn Migration wird darin nicht als Bedrohung gedeutet. »Der Bericht legt den Fokus auf landesinterne Wanderungsbewegungen und schürt damit keine irrationalen Ängste im Sinne eines Ansturms auf Europa«, sagt Schraven gegenüber »nd«. Allerdings lasse die Weltbank außer Acht, dass vielen Menschen die notwendigen Ressourcen fehlen, größere Wege zurückzulegen. »Es besteht die Gefahr, dass diese Menschen vollkommen vergessen werden«, sagt Schraven.
Das bestätigt Sophia Wirsching von der evangelischen Entwicklungsorganisation Brot für die Welt. »Die Verwundbarkeit der besonders Armen muss stärker in den Blick genommen werden«, fordert die Migrationsexpertin. »Viele Faktoren wirken bei der klimabedingten Migration zusammen.« Fortschritte bei der Armutsbekämpfung können demnach dazu beitragen, dass Menschen sich besser an die Auswirkungen des Klimawandels anpassen können.
Laut Weltbank wird der Klimawandel die landwirtschaftliche Produktivität einschränken und die Wasserknappheit erhöhen. Auch der steigende Meeresspiegel und häufigere Sturmfluten werden künftig mehr Menschen aus ihrer Heimat vertreiben. In dem Report hat die Weltbank drei Szenarien durchgerechnet: ein pessimistisches, ein gemäßigtes und ein etwas klimafreundlicheres. Demnach lässt sich die Zahl der vor dem Klimawandel Geflüchteten deutlich verringern, wenn die Treibhausgasemissionen zügig sinken. Außerdem müssten die Migrationsbewegungen in Entwicklungsplänen berücksichtigt werden und mehr Gelder in die Untersuchung von Fluchtprozessen fließen.
Jürgen Maier vom Forum Umwelt und Entwicklung sieht noch einen weiteren Hebel, um Landflucht zu begrenzen. »Es braucht mehr ländliche Entwicklung«, fordert er. Auch ohne Klimawandel komme es bereits zu einer erheblichen Binnenmigration, weil es auf dem Land keine ökonomische Perspektiven für die Bevölkerung mehr gibt. Deshalb müssten lokale Wirtschaftskreisläufe gefördert werden. Die Weltbank hingegen orientiere vor allem auf exportorientierte Großplantagen, die wenige regionale Arbeitsplätze schaffen, kritisiert Maier.
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