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Kitas sind staatliche Kernaufgabe
Andreas Fritsche zu frühkindlicher Bildung und Volkswirtschaft
Kitas sollen Stätten der frühkindlichen Bildung sein. Bildung ist eine Kernaufgabe der öffentlichen Daseinsvorsorge. Es handelt es sich also um Staatsversagen, wenn die Politik nicht in der Lage ist, für ausreichend Kitaplätze zu sorgen. Wie Politik und Verwaltung das auch unter schwierigen Rahmenbedingungen organisieren, ist ihre Sache. Der Bürger zahlt schließlich Steuern, damit der Staat funktioniert.
Besonders ostdeutsche Eltern, die aus ihrer Kindheit eine gute Kitaversorgung gewöhnt sind, haben kein Verständnis dafür, wenn sie lange auf einen Kitaplatz warten müssen. Volkswirtschaftlich ist es in Zeiten eines Fachkräftemangels unsinnig, wenn Mütter oder Väter mit ihren Kindern zu Hause bleiben müssen und nicht arbeiten können, weil sie keinen Kitaplatz erhalten. Für die Kinder ist das nicht schön, für die Familien ist es oft eine soziale Katastrophe, weil ein Einkommen selten ausreicht, die hohen Mieten in Berlin zu finanzieren.
Die Abschaffung der Kitagebühren in der Hauptstadt war richtig, weil Bildung kostenlos sein sollte. Wenn es jedoch jetzt an Kitaplätzen mangelt, stellt sich die Frage, ob die Politik falsche Prioritäten gesetzt hat. In Frage steht im Nachhinein auch der von Rot-Rot Anfang der 2000er Jahre eingeschlagene Kurs, kommunale Kitas an freie Träger zu geben. Außer Frage steht allerdings, dass es konservative Anschauungen über angebliche Mutterpflichten gewesen sind, die eine anständige Kitalandschaft in der Bundesrepublik lange blockiert haben und noch immer behindern.
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