Trumps Schub für Freihandel

Kurt Stenger über die Neuzusammensetzung der Weltwirtschaft

So langsam verliert man den Überblick, wer mit wem so alles neue Freihandelsabkommen schließt. Die EU ist da besonders eifrig, Japan erst recht, und, man höre und staune, auch die USA haben einiges vorzuweisen. Die Warnung, mit Donald Trump beginne ein neues Zeitalter des Protektionismus, war eben von Anfang an falsch. Selbst ein gnadenlos nationalistischer Populist wie der jetzige Präsident weiß, dass die USA ohne internationalen Handel wirtschaftlich nicht überlebensfähig wären. Ihm geht es nur darum, die bestehenden Regularien so zu ändern, dass bestimmte Branchen in den USA mehr als bisher davon profitieren.

Mit seinem Infragestellen auch bestehender Abkommen hat Trump bewirkt, dass andere Freihandelsabkommen, die über viele Jahre als nicht abschlussfähig galten, zu einer Vereinbarung gebracht wurden. Dass Japan seine Märkte für ausländische Konkurrenten ein bisschen öffnet, war bisher genauso undenkbar wie der Fakt, dass die EU ihren hoch subventionierten Bauern Produkte aus dem Süden vor die Nase setzt. Letztlich hat die rüpelhafte Außenwirtschaftspolitik des US-Präsidenten andere zusammengebracht. Die Welthandelsordnung setzt sich neu zusammen, ohne dass sich aber an den Prämissen etwas ändert. Deshalb gibt es auch nicht mehr Abschottung, sondern im Gegenteil neuen Schub für Freihandel.

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