Kuba steht vor Energiewende

Martin Ling über akute Kraftstoff-Engpässe auf der Insel

Kubas Energiekrise ist akut. Wenn Staatspräsident Miguel Díaz-Canel persönlich im Fernsehen die Bevölkerung auf Kraftstoffengpässe vorbereitet, muss die Lage ernst sein. Doch die Krise trifft Kubas Regierung nicht unvorbereitet: Sie war durch die Verschärfung der Wirtschaftskrise des wichtigsten Öllieferanten Venezuela und das neue Drehen an der Blockadeschraube durch die USA absehbar. Unter anderem verhängte Washington mehrmals Strafzahlungen gegen Schiffe, die Öl und Treibstoff von Venezuela nach Kuba transportierten. In beiden Ländern ist der Regimechange ohne Rücksicht auf internationales Recht erklärtes Ziel.

Die Dimension der Krise lässt sich von außen nicht beurteilen. Schafft es Kuba wie geplant, die Stromversorgung aufrechtzuerhalten und die Engpässe auf den öffentlichen Nahverkehr und den Warentransport zu beschränken, wird die Mangel gewohnte Bevölkerung das verschmerzen.

Die Krise zeigt, dass Kuba seine bereits 2005 gestartete »Energierevolution« beschleunigen muss. Kuba war - zumal für ein Land des Globalen Südens - früh dran, fortschrittlich die Weichen zu stellen: 2,5 Millionen Kühlschränke wurden durch ein staatliches Programm gegen moderne, stromsparende Kühlgeräte ausgetauscht. Auch die Umstellung von Glühlampen auf Kompakt-Leuchtstofflampen wurde fünf Jahre früher als in der EU vorgenommen - und zwar vollständig. Die Weichen weg von mit Erdöl betriebenen Kraftwerken hin zu Solar- und Windparks sind zwar bereits gestellt, doch die akute Krise kann mit der Neujustierung noch nicht aufgefangen werden. Noch ist man vom Ziel, 2030 mit regenerativen Energiequellen ein Viertel des Energiebedarfs zu decken, weit entfernt. Derzeit sind es vier Prozent. Nur wenn die Energiewende gelingt, wird die jetzige konjunkturelle Krise sich nicht als Strukturproblem verfestigen.

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