Ministeriale Protzkultur

Stefan Otto fordert auch auf deutschen Autobahnen ein Tempolimit

Die Niederlande machen es vor: Weil die Emissionen von Stickoxiden erheblich sind, wird Tempo 100 auf den Autobahnen eingeführt. Die Einsicht zu dem Schritt kam für die Regierung von Ministerpräsident Mark Rutte allerdings nicht ganz von alleine. Es brauchte Druck vom obersten Gericht für Verwaltungsrecht, um die Regierung zu diesem Schritt zu bewegen. Dabei ist es eine einfache Möglichkeit, das Klima zu schützen.

Die Bundesregierung will dem Beispiel aus dem Nachbarland nicht folgen. Es gebe »weit herausragendere Aufgaben« zu erledigen, erklärte jüngst Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Bornierter kann sich ein Minister kaum verhalten. Zumal der Verkehrssektor eines der zentralen Probleme ist, wegen denen Deutschland seine Klimaziele nicht erreicht.

Aber Scheuer will nicht, ja die ganze Union will nicht, und die SPD macht auch nicht mit. Das offenbart den Charakter der schwarz-roten Verkehrspolitik. Er ist geprägt von einem aus der Zeit gefallenen Freiheitsgedanken und protzigen Wohlstandsansprüchen. Nicht wenige behaupten, das liege an der Dominanz der Männer in dem Ministerium. Und wahrlich - es ist vorstellbar, dass die Koalition offener gegenüber einem Tempolimit wäre, wenn nicht Andreas Scheuer Verkehrsminister wäre, sondern seine sozialdemokratische Ministerkollegin Svenja Schulze oder seine Parteifreundin Ilse Aigner.

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.