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Nichts für private Konzerne
Simon Poelchau über Facebooks Antrag in der Schweiz auf Zulassung seiner Digitalwährung
Der Facebook-Konzern hofft offenbar, dass Finanzaufsichten aufgrund der Coronakrise nicht so genau hinschauen, was er vorhat. Er hat nun in der Schweiz, die für ihre laxen Finanzgesetze bekannt ist, eine Zulassung für seine eine Digitalwährung Libra beantragt, die er global vermarkten will.
Zwar gibt sich der Onlineriese als Weltverbesserer, der mit seinem Projekt lediglich Millionen Menschen den Zugang zum Finanzsystem eröffnen will. Auch geht er vordergründig auf die allseits geäußerte Kritik ein und will nun Libra-Einheiten anbieten, die an einzelne Währungen gekoppelt sind. Doch will Facebook weiterhin Libra-Einheiten schaffen, die nicht nur an eine einzelne Währung, sondern an einen ganzen Währungskorb gekoppelt sind.
Damit will Facebook eben nicht nur ein Zahlungsdienstleister unter vielen werden, was auch allein wegen der fast zwei Milliarden Facebook-Nutzer und der daraus resultierenden potenziellen Marktmacht schon kritisch wäre. Sondern der Konzern verfolgt weiter das Ziel, eine digitale Währung zu schaffen.
Dies wurde von Finanzmarktaufsichten und Zentralbanken zu Recht und von Anfang an mit Argusaugen beobachtet. Denn Facebook will sich als privater Konzern ein Recht herausnehmen, das seit jeher ein hoheitliches Recht von Staaten war: Geld zu schaffen.
Und dieses Recht gehört nicht in die Hand privater Konzerne. Diese sind nämlich nicht an der Stabilität des Währungs- und Finanzsystems interessiert, sondern hauptsächlich an ihrem eigenen Profit. Also würde Facebook die Welt mit Libra nicht besser, sondern nur instabiler und seine Besitzer reicher machen.
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