Der Jetzt-geht’s-rund-Humor
Gags aus einer untergegangenen Welt: Fips Asmussen ist tot
Stirb langsam« war ein Hollywood-Blockbuster mit Bruce Willis Ende des vergangenen Jahrhunderts. Der Originaltitel lautete »Die hard« und das heißt auf Englisch eben nicht Tod durch Folter oder Siechtum, sondern »Nicht totzukriegen«. So muss man sich das Witzgeschäft des Fips Asmussen vorstellen, der am Sonntag im Alter von 82 tatsächlich gestorben ist. Auf die Bühne gehen und gnadenlos Witze erzählen: Er hat damit 7,5 Millionen Tonträger verkauft.
Die hard: Seit Längerem gibt es im Kulturbereich hierzulande in Nachrufen und Todesmeldungen eine Tendenz zum Superlativismus; stets soll der oder die Verstorbene zu den bedeutendsten Künstler*innen mindestens von Deutschland gezählt haben. Im Fall von Asmussen ist es anders: »Der gebürtige Hamburger gehörte seit den 70er Jahren zu den bekanntesten Alleinunterhaltern Deutschlands«, schreibt dpa, nicht aber zu den wichtigsten oder originellsten. »Und kein Witz war so, dass man ihn richtig gerne weitererzählen würde«, schrieb Fred Grimm 2004 in seinem sehr guten Asmussen-Porträt in der Zeitschrift »Dummy«: »Unterste Schublade sagen die, die über Zoten nur lachen, wenn Harald Schmidt sie reißt. Aber in der untersten Schublade liegt Asmussen oben.« Kostprobe: »Neulich ging einer nackt zum Finanzamt, damit ihm keiner mehr was wegnehmen kann. Denkste! Nach ner halben Stunde kam er wieder raus mit einem Schild vorne und hinten an seinem nackten Körper: Gas & Wasser abgestellt.« Das Peinliche muss raus; Sexismus war dabei für Asmussen nicht peinlich, sondern normal: »Nicht alles, was ein Loch hat, ist kaputt«. Brutal.
In seinen Anfängen hatte er es mit Niveau probiert, mit Erich Kästner, Kurt Tucholsky und einem Mann am Klavier. Das funktionierte nicht so gut: »Bei den Chansons klatschte das Publikum mit wie bei der Hitparade. Bei den Gedichten wartete es auf die Pointe, die nicht kam«, schreibt Grimm. Erfolgreicher war Asmussen mit dem Jetzt-geht’s-rund-Humor der westdeutschen Männerabende und Stammtische. Frauen waren ständig Thema und oft sogar dabei, und sie lachten mitunter - warum auch immer. Nach 1989 war Asmussen auch in Ostdeutschland recht beliebt, zum Schluss wohnte er in Querfurt, Sachsen-Anhalt.
Bürgerlich hieß er Rainer Pries. Früher hatte er irgendetwas mit Werbung gemacht und anschließend Gesang und Gitarre gelernt. Dann zog er ein Matrosenkostüm an und wurde »Flachwitzkönig« (»Bild«) in der heute untergegangenen Welt von James Last, Wim Thoelke und dem HB-Männchen, auch wenn er am liebsten Zigarre rauchte. Macht man ja auch nicht mehr.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.