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Nichts gelernt aus der ersten Welle?

Wolfgang Hübner über den erneuten scharfen Corona-Lockdown

Als Angela Merkel vor fast 20.000 neuen Corona-Infektionen täglich zum Jahresende warnte, hielten das nicht wenige für Panikmache. Das war im September, die tägliche Infektionszahl lag damals bei etwas über 1000 - was gäben die Verantwortlich heute für eine solch entspannte Krisenlage?

Seitdem ist viel passiert. Nicht zuletzt wurden die Corona-Vorschriften Anfang November wieder verschärft. Der Effekt ist sehr begrenzt, Merkels Warnung inzwischen weit übertroffen, und man mag sich nicht ausmalen, wo wir heute ohne die Novemberrestriktionen stünden.

Nun ist ein scharfer Lockdown nicht mehr zu vermeiden, aber es stellen sich viele Fragen. Warum, beispielsweise, verging der vergleichsweise sorgenfreie Sommer, ohne dass deutlich mehr Anstrengungen für die Digitalisierung der Schulen unternommen wurden? Denn, dass eine zweite Welle kommen würde, war klar, und dass Homeschooling und Digitalunterricht erneut auf den Stundenplan rücken, ist keine Überraschung.

Warum ist die - auch finanzielle - Aufwertung der medizinischen und Pflegeberufe nur punktuell praktiziert worden? Ein Land, das pausenlos über die Aufstockung der Militärausgaben diskutiert, sollte das Geld dort investieren, wo es am nötigsten für alle ist. Und warum werden - in diesem Zusammenhang - nicht endlich die Reichen und Bestverdienenden an den Krisenkosten beteiligt, etwa in Form eine Vermögensabgabe, statt so zu tun, als könne man das alles aus der Portokasse begleichen?

Gewiss, Patentrezepte gegen Corona hat niemand, und die Unvernunft mancher Leute ist geradezu unbeirrbar. Aber ein paar mittelfristige Dinge müssen endlich geregelt werden. Denn der Winter beginnt gerade erst, und eine dritte Welle ist alle andere als unwahrscheinlich.

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