- Politik
- Florian von Brunn
Antifaschist
Florian von Brunn wird Spitzenkandidat der SPD in Bayern
In der SPD wimmelt es nur so von Politikern, die eine zurückhaltende Wortwahl gegenüber der politischen Konkurrenz pflegen, weil man die Parteien mit Ausnahme der AfD eines Tages als Koalitionspartner brauchen könnte. Ein anderer Wind weht bei den Sozialdemokraten in Bayern. Der dortige Landes- und Fraktionschef Florian von Brunn hält nichts von Diplomatie, wenn er sich mit der herrschenden CSU auseinandersetzt. So stellte er im Sommer vergangenen Jahres im Landtag fest: »Die Vorgänger der CSU waren die Steigbügelhalter von Adolf Hitler.« Selbstverständlich war die Empörung bei den Konservativen grenzenlos. Doch an diesen Ton werden sie sich im Landtagswahlkampf 2023 gewöhnen müssen. Denn der Vorstand der bayerischen Sozialdemokraten hat von Brunn am Wochenende einstimmig als Spitzenkandidaten vorgeschlagen. Diese Entscheidung muss noch von einem Landesparteitag im Oktober abgesegnet werden.
Von Brunn hat sich nicht nur in der Mieten- und Umweltschutzpolitik einen Namen gemacht. Im Jahr 2015 gehörte er zudem zu den Erstunterzeichnern einer Erklärung gegen die Nennung der NS-Opferorganisation VVN-BdA im bayerischen Verfassungsschutzbericht. Die Ur-Großtante des 53-Jährigen war eine Widerstandskämpferin gegen die Faschisten und ebenfalls Mitglied der SPD. Toni Pfülf nahm sich im Juni 1933 das Leben. Von Brunn hat auf seiner Website einige kluge Gedanken über die mutige Frau veröffentlicht und erwähnt in diesem Text nicht nur die Verfolgung der Sozialdemokraten, sondern auch der Kommunisten.
Im strukturkonservativen Bayern kommt das allerdings nicht gut an. Ende Juni sah eine Umfrage die SPD bei zehn Prozent. Somit müsste sich die Partei gemeinsam mit den Freien Wählern den dritten Platz hinter der CSU und den Grünen teilen. Es deutet also alles darauf hin, dass von Brunn den aussichtlosen Kampf der Sozialdemokraten in Bayern fortsetzen wird.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.