Die demokratische Stimme Myanmars

Filmabend der »Cinema For Peace Foundation«

  • Antje Stiebitz
  • Lesedauer: 3 Min.

Sie seien Reporter, deren Hände zittern und deren Herzen klopfen, wenn sie filmen, beschreibt der Videoreporter Joshua seine Arbeit. Er ist Teil eines kleinen Netzwerkes, das für die »Democratic Voice of Burma (DVB)« Filmmaterial aus Myanmar beschafft. Die Non-Profit-Organisation, von Auswanderern betrieben, hat ihren Sitz in Oslo und sendet unzensierte Nachrichten aus dem Land am Golf von Bengalen.

Anhand des Schicksals von Joshua zeigt der mehrfach ausgezeichnete Dokumentarfilm »Burma VJ« von Anders Østergaard wie riskant journalistisches Tun im von der Militärjunta geprägten Myanmar ist. Anlass für die Filmauswahl - gezeigt im Berliner Central Kino - war die Amnestie von rund 200 politischen Gefangenen im Oktober dieses Jahres. Darunter der Comedian Zarganar. Er wurde 2008 zu 59 Jahren Haft verurteilt, weil dem Regime seine Witze und sein humanitäres Engagement nicht gefielen.

Als 1988 in Rangun 3000 Opfer zu beklagen waren, weil die Menschen für Demokratie auf die Straße gingen, war Joshua ein kleiner Junge. Er entschied sich Videoreporter zu werden, damit er der Welt mitteilen kann, was in seinem Land passiert. Kurz bevor sich im Herbst 2007 wiederholt Proteste zusammenbrauen, erwischt ihn der Geheimdienst beim Filmen. Er taucht aus Sicherheitsgründen in Thailand unter. Über Internet und Telefon mit seinen Mitstreitern verbunden, erlebt er den durch Preiserhöhungen ausgelösten Aufstand seiner Landleute mit.

Das Gesicht Joshuas ist für den Zuschauer nicht sichtbar, Bilder seines Zimmers in Thailand werden nachgestellt. Joshua kommentiert die dramatischen Ereignisse und die Arbeitsweise der berichtenden Journalisten erstaunlich beherrscht: Mönche, die in langen Reihen durch die Straßen ziehen, Reporter des Netzwerks, die sich einreihen. »Wenn die Öffentlichkeit teilnimmt, dann wird aus dem religiösen Protest ein politischer«, ist ihre Hoffnung. Und die Bevölkerung schließt sich an. Zehntausende auf den Straßen, alle laufen gemeinsam, um der Militärdiktatur endlich etwas entgegenzusetzen. Menschen auf den Dächern. Gemeinsame Slogans, friedlicher Widerstand. Die Mönche nehmen sich sogar heraus, die unter Hausarrest stehende Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi am Tor ihres Haus zu treffen. Bewegende Eindrücke.

Kurz danach verkündet das Militär Versammlungsverbot. Doch die Demonstranten gehorchen nicht. Das Militär setzt Tränengas ein, nimmt Mönche fest, schlägt zu. Wertvolles Filmmaterial, von einem Dach aus aufgenommen. Die Lage eskaliert. Sicherheitskräfte dringen brutal in Klöster ein und verschleppen die Mönche. Auch auf der Straße wird die Lage für die Protestierer zunehmend bedrohlich. Und wieder sind die Reporter des Netzwerks mittendrin, dokumentieren hautnah Schüsse, Schreie und Verzweiflung.

Danach, so Joshua, habe die Stadt einer Wüste geglichen. Doch die Reporter haben ihr Ziel erreicht, ihre Aufnahmen dringen nach draußen. Das kleine Netzwerk hat etwas geschaffen, was das Regime vermeiden wollte. Nachdem das Bild eines toten Mönchs um die Welt geht, werden die Mitglieder des Netzwerks verfolgt. Im Dezember 2007 wird die Gruppe entdeckt. 14 der Journalisten sind noch in Haft, berichtet Anja Viohl von »Reporter ohne Grenzen« nach der Filmvorführung, nur drei von ihnen wurden bei der Amnestie im Oktober freigelassen.

Die Tragweite der historischen Ereignisse zieht in den Bann. Und die berührenden Einblicke sind schwer verdaulich. Imponierend aber sind die jungen Journalisten, die ihr Leben riskieren, um ihr Handwerk auszuüben. Es sei etwas zerbrochen, sagt Joshua, aber er müsse zurück nach Burma und ein neues Netzwerk aufbauen.

Eine weitere Aufführung findet am 14. Oktober um 19 Uhr im Kino Abaton in Hamburg statt.

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