Ängste vor globaler Machtverschiebung
Die Frage nach dem Verfehlen strategischer Ziele stellte auch Fritz Tomberg (Vehlefanz) in einem Vergleich von Fukuyamas These vom „Ende der Geschichte“ mit Marxschen Ideen. Der Realismus Fukuyamas ende dort, wo Marx die Auflösung des Kapitalismus konsequent zu Ende denke. So entwerfe er als Sze-
narium der Zukunft eine „Konkurrenz verschiedener Kulturen“, ohne die Möglichkeit des Übergehens ökonomischer Dominanz auf Ostasien ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Tomberg warnte davor, daß angesichts der realen Machtverschiebung auf die Region Japan-China der Faschismus als Mittel zur Unterbindung dieser Verschiebung im Westen herrschende Tendenz werden könnte.
Erich Hahn (Berlin) und Gerhart Neuner (Berlin) stellten in ihren Referaten umfangreich Konzepte der Postmoderne zur Ästhetik bzw. Pädagogik dar. Die Postmoderne besitze eine gesellschaftskritische Potenz, erklärte Hahn und warnte, kritische Denkmöglichkeiten vorschnell in den Wind zu schlagen. Die Leistung der Postmoderne sei allerdings nicht die Entdeckung einer neuen Situation.
Unentschiedenheit in der Bewertung der Postmoderne auf der einen, Zurückweisung ihrer philosophischen Unzulänglichkeit auf der anderen Seite bestimmte so die Diskussion auf der Tagung. Daß die Kontroversen zumeist zwischen Ost und West verliefen, hat offenbar mit verschiedenen Wahrnehmungsweisen der nunmehr gesamtdeutschen gesellschaftlichen Realität zu tun. Für zukünftigen Zündstoff ist also gesorgt.
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