Verschlafene Nacht im Labor

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Etwa fünf Prozent der Bevölkerung sind von der so genannten Schlafapnoe betroffen. Damit bezeichnet man das anfallsweise Auftreten von Atempausen im Schlaf.
Seit zehn Jahren kommt Gertrud Ahrendt jedes Jahr einmal in die Warener Klinik Amsee um dort ihre Atemmaske neu einstellen zu lassen. »Ich war immer so kaputt am Tage, konnte mich nicht konzentrieren und nachts schlafen ging auch nicht«, erinnerte sich die 77-Jährige. Mit diesen Symptomen wurde sie bei ihrem Hausarzt vorstellig, der sie in das Schlaflabor an der Müritz überwies. Eine Nacht wurden bei der zu der Zeit 67 Jahre alten Rentnerin die Atmung, der Sauerstoffgehalt im Blut, die Hirnströme und Herzrhythmus, Blutdruck sowie Atemgeräusche gemessen.
Die Nacht im Labor brachte zu Tage, dass sie unter einer Schlafapnoe leidet. Seither trägt sie Nacht für Nacht eine Schlafmaske und fühlt sich fit, erzählte die Seniorin. Etwa fünf Prozent der Bevölkerung seien von einer solchen Apnoe betroffen, erklärt Dr. Brigitte Krecklow, Leiterin des Warener Schlaflabors. Bis zu 400-mal könne in der Nacht die Atmung aussetzen und damit sei es unmöglich sich zu regenerieren. Die Folge seien Müdigkeit, fehlende Konzentration und Erschöpfungszustände. »Schlaf-Apnoe ist für das Herz im wahrsten Sinne des Wortes Schwerstarbeit«, sagt die Ärztin. Ausgelöst werden die Atemaussetzer dadurch, dass die Rachenmuskeln erschlaffen und in sich zusammenfallen. Damit sind die Atemwege sekundenlang, streckenweise auch minutenlang ohne Sauerstoff. Nur einer unwillkürlichen Weckreaktion im Gehirn ist es zu verdanken, dass Betroffene nicht ersticken. Für sie entsteht ein unglaublicher Stress, an Tiefschlaf, die eigentliche Phase der Erholung ist nicht zu denken, so Dr. Martin Herrmann.
Bei der Schlaf-Apnoe handelt es sich Krecklow zufolge um eine sehr ernst zu nehmende Erkrankung. Geholfen werden kann den Betroffenen mit einer Schlafmaske. Die verhindert durch Überdruckbeatmung die Atemaussetzer und das Schnarchen. Dadurch können Schlaf-Apnoiker wieder durchschlafen und die Entstehung von weit schlimmeren Erkrankungen kann verhindert werden. »Erfahrungen zeigen, dass etwa 15 bis 20 Prozent der Patienten zu spät ins Schlaflabor kommen. Bei ihnen haben sich zwischenzeitlich andere gefährliche Krankheiten gezeigt, wie beispielsweise der Herzinfarkt oder der Schlaganfall«, informiert die Schlaf-Expertin, die seit 12 Jahren im Warener Labor tätig ist. Schnarcher sind von der Apnoe betroffen, ebenso Männer ab 50 Jahre und Frauen im Klimakterium. In der Warener Klinik Amsee gibt es derzeit zehn Plätze für die Diagnostik von »unruhigen Beinen«, ebenfalls ein Krankheitsbild, dass in Waren diagnostiziert werden kann, und einer Schlaf-Apnoe, berichtete sie. Erst seit kurzem sei die Klinik mit neuen Geräten ausgestattet worden, die die entsprechenden Daten per Telemetrie übertragen. Die neuen Geräte sind nicht größer als ein Walkman und lassen den Schlafgästen der Klinik jede Bewegungsfreiheit.
Die Kosten für eine Übernachtung im Schlaflabor tragen die Krankenkassen. Maximal drei Tage dauert ein solcher Aufenthalt in der Klinik. Wird eine Schlafmaske verordnet, muss der Patient einmal im Jahr in das Labor kommen, um sie richtig einstellen zu lassen.
Ellen Krüger

INFO - ||Klinik Amsee, Interdisziplinäres Therapiezentrum für Pneumologie, Allergologie und Dermatologie GmbH, Malchiner Landstr., 17192 Waren (M.),
Tel. (03991)158-0,
Fax. (03991)158227,
www.klinikamsee.de.
Wolfgang Jordan und Göran Hajak: Gestörter Schlaf - Was tun?, Arcis Verlag München, 16 ,
Detlef Kirsten und Holger Hein: Schlafapnoe und Heimbeatmung,
dustri Verlag, 11,30 EUR

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