Ein Auge für den »Heiligen Krieg«
Mokthar Belmokhtar kämpfte als Teenager in Afghanistan und zieht nun bei der »Brigade der Vermummten« die Fäden
Ein direkt mit Blut unterschriebenes Bekennerschreiben gibt es nicht: Doch die Gruppe, die sich zu der Kommandoaktion auf dem Gasfeld im algerischen In Amenas bekannte, »Muwaqijun bi al Dam«, heißt zu Deutsch eben so: »Die mit dem Blut unterschreiben.«
Die Gruppe gehört zur »Brigade der Vermummten« von Mokhtar Belmokhtar, einem 1971 im ostalgerischen Ghardaia Geborenen, der sich schon früh dem »Heiligen Krieg« verschrieben hat. Im Wendejahr 1989 aufgestachelt von der Ermordung des pakistanischen islamistischen Ideologen Abdullah Yusuf Azzam, der den defensiven und offensiven Dschihad (Heiliger Krieg) gepredigt hat, zog es Belmokhtar nach Afghanistan. Dort soll er bei einer Al-Qaida-Truppe das Kriegs- und Terrorhandwerk gelernt haben und bei Auseinandersetzungen mit Regierungssoldaten ein Auge verloren haben.
Seine in Afghanistan erworbenen »Fähigkeiten« bringt er seit seiner Rückkehr nach Algerien 1993 ausgiebig zur Anwendung. Dort stieg er schnell in der Hierarchie der Terroristen auf und schloss sich 1998 der Salafistischen Gruppe für Predigt und Kampf (GSPC) an, die sich später mit anderen salafistischen Gruppierungen zur Al-Qaida im Maghreb (AQMI) zusammenschloss, um konzertiert den »Heiligen Krieg« voranzutreiben.
Belmokhtar machte schon öfter Schlagzeilen. Er soll unter anderem für den Tod von vier Franzosen am Heiligen Abend 2007 in Marokko verantwortlich sein, der zur Absage der Rallye Paris-Dakar führte. Geld - auch für Waffenkäufe - machte er unter anderem mit dem Zigarettenschmuggel, der ihm den Beinamen Mr. Marlboro einbrachte. 2008 meldete »Le Soir d'Algérie«, Belmokhtar habe sich durch Heirat mit vier Frauen verschiedener Stämme im Norden Malis eine weite Einflusszone geschaffen. Ein Jahr später nahm Belmokhtars Brigade in Mali vier europäische Geiseln. Die Erstürmung in In Amenas ist der vorläufige Höhepunkt seiner Terrorkarriere, so es ihm gelungen sein sollte, wieder zu entkommen. Sein weiterer Spitzname »Der Unfassbare« lässt es vermuten. Foto: AFP
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