Geißel Hunger

Das Menschenrecht auf Nahrung

  • Felix Sturm
  • Lesedauer: 2 Min.

Eine interdisziplinäre Kontroverse verspricht der Band. Das ist auch gut so, denn die Geißel Hunger lässt sich nicht besiegen, wenn sie den Ökonomen überlassen wird. Ethnologen, Soziologen, Historiker sind ebenso gefragt und gefordert.

Der hier anzuzeigende Band befasst sich weniger mit den Katastrophen, sondern vielmehr mit der latenten Gefahr von Hunger und Ernährungsunsicherheit. »Mit der Entstehung staatlicher Organisationen wird die Ernährungssicherheit sukzessive zu einer Pflicht des Staates gegenüber seinen Bürgern«, schreiben Georg Materna und Jochen Schulz. »Kann ein Staat die Ernährung seiner Bürger nicht mehr sicherstellen, gibt es Revolten, Umstürze oder Revolutionen.« Als Beispiele seien hier nur genannt die Französische Revolution von 1789 sowie die Reis- oder Mais-Revolten 2008 in Asien und Lateinamerika.

Nach einem Blick in die Geschichte werden Strategien zur Bekämpfung von Hunger heute durch NGOs, Welthungerhilfe, diversen Organisationen oder auch durch Selbsthilfe, z. B. in Afghanistan oder Kolumbien, erörtert. Landwirtschaftliche Vorratshaltung in den Sahelländern offenbart eine Variante, der Not Herr zu werden. Dem unseligen Erbe des Kolonialismus, dass Kleinbauern in der sogenannten Dritten Welt, »die Verdammten dieser Erde« (Fanon), den Weltmarkt, insbesondere die westlichen Metropolen, beliefern müssen, wird ökologisch nachhaltige Agrarkultur entgegengesetzt.

Die UNO, so Markus Kotzur und Christine Meyer, bekräftigte 1999, dass »das Recht auf angemessene Nahrung unteilbar mit der naturgegebenen Würde« des Menschen verbunden ist. Dieses Menschenrecht gilt es vereint und global durchzusetzen.

Wolfgang Liedtke/Georg Materna/Jochen Schulz (Hg.): Hunger - Ursachen, Folgen, Abhilfe. Leipziger Universitätsverlag. 525 S., br., 32 €.

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