Eine Hommage ans Mare Nostrum

Dieter Richter erzählt die Geschichte des Mittelmeeres

  • Harald Loch
  • Lesedauer: 2 Min.

Das schöne Wort »Landschaft« hat einen romantischen Klang, mit ihm verbinden sich Frieden, Natur, Erholung. Der Kulturwissenschaftler Dieter Richter beschreibt die Geschichte der ältesten Landschaft, exakter: das Mittelmeer, das Odysseus befuhr und über das Poseidon herrschte. Mare Nostrum nannten die Römer das Meer, das sie mit ihren Kolonien verband, das den Reichtum der Handelsstadt Venedig begründete und an dessen Rändern Millionen Nordeuropäer seit Jahrhunderten die Sonne genießen.

Richter hat Altphilologie und Theologie studiert, war 32 Jahre lang Professor für kritische Literaturgeschichte in Bremen und lebt u. a. in Süditalien. Sein Buch passt in das Programm des Verlages, der in den letzten 50 Jahren viel für die Vermittlung der italienischen Literatur in Deutschland getan hat.

Malerei, Literatur und Musik spielen in dieser Geschichte eine große Rolle. Der Philosoph kommt eher zu Wort als der U-Boot-Kommandant oder Astronom. Alles ist schön erzählt und macht Appetit auf mehr Meer - weniger auf eine Kreuzfahrt. Vielleicht auch auf das Wiederlesen der unendlich reichhaltigen Literatur, die das Meer zum Protagonisten hat, und zum Besuch von Museen, in denen Exponate aus dem Meer oder seine schönste »Muse« Galathea zu sehen sind. Das Buch erschließt Zusammenhänge, nach denen der Seeurlauber für gewöhnlich nie fragt. Alte Mythen werden ins Bewusstsein gerufen und gar aktualisiert. Vielleicht wird ein bisschen zu wenig problematisiert, was geschieht, wenn der Meeresspiegel - bedingt durch den Klimawandel - weiter steigt. Hemingways »Der alte Mann und das Meer« oder Mendelssohns »Meeresstille und glückliche Fahrt« werden in dieser »Geschichte der ältesten Landschaft« wichtiger als ein Tsunami oder die Skagerrak-Schlacht.

Wer den »Heringsberichterstatter« des isländischen Rundfunks vermisst, wird schnell merken, dass ein auf hohem Niveau unterhaltendes, reich und schön bebildertes Buch über das Meer erst dann wirklich gut ist, wenn es dessen Unendlichkeit jenseits des beschränkten Horizonts jeder Enzyklopädie ahnen lässt.

Dieter Richter: Das Meer. Geschichte der ältesten Landschaft. Wagenbach. 240 S., geb., 24,90 €.

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