Keine Ruhe in Hongkong
Klaus Joachim Herrmann über die chinesischen Studentenproteste
Peking war in Hongkong stets an größtmöglicher Ruhe gelegen. Wie keine andere zeugt davon die stets neu beschworene Formel »Ein Land, zwei Systeme«. Sie sollte der Befriedung dienen. Nun hat sich aber genau dieser auf den ersten Blick kompromissbereite Ansatz als explosiv erwiesen. Die Vermischung zweier Systeme nährt den Konflikt: Ein Ja gilt der freien Wahl des Verwaltungschefs, doch die Kandidaten werden zensiert.
Gegen diesen Widerspruch sind die Studenten auf den Straßen, um ihn zu überwinden. Sie wollen die ganze Wahl. Dabei gewährt ihnen ein Vierteljahrhundert danach ausgerechnet der Tiananmen Schutz. Ein solches Vorgehen gegen Proteste wie 1989 kann unmöglich im Interesse Pekings liegen. Drohungen und Ultimaten führen von Lösungen weg.
Denn das wohlhabende und prosperierende Hongkong, das die britische Kolonialherrschaft hinter sich ließ, ist ein Sonderfall. Die Stadt liegt irgendwo zwischen den Systemen und ist gerade bei Wahlen weiter als das Mutterland. »Wir wollen kein Chaos in Hongkong«, versicherte dessen Verwaltungschef. Man sollte ihm getrost glauben, er schaut dabei auch nach Peking. Die Anhänger der Ruhe haben durchaus noch eine Mehrheit - nicht nur in Hongkong. Doch bis der Formelkompromiss zu Ende gedacht und gebracht ist, wird die Unruhe wohl andauern.
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