Selbstbefragt mit klarem Ergebnis

Jörg Meyer über die Lobbyarbeit der Tourismusmanager

  • Jörg Meyer
  • Lesedauer: 2 Min.

Ein Knaller: Der Travel Industry Club, ein Lobbyverein der Tourismuswirtschaft, gab anhand aktueller Umfrageergebnisse zu Wochenbeginn bekannt, dass 92 Prozent der Reiseindustriemanager kein Verständnis für die jüngsten Pilotenstreiks haben. Und 88 Prozent zeigten sich not amused von den Ausständen der GDL. Das Ergebnis vorwegnehmend beginnt die Pressemitteilung mit dem markigen Satz: »Kein Pardon für Lokführer und Piloten.« Immer feste druff.

Flugs fordert der Präsident des Vereins »bei allem Respekt vor der Tarifautonomie«, die Regierung möge »entsprechende Vorkehrungen treffen und weiteren Schaden von unserem Land abhalten«. Der Verweis auf das geplante Tarifeinheitsgesetz findet sich nicht. Wörtlich heißt es: »Die Manager der Reiseindustrie fordern die Bundesregierung auf, die Streikmöglichkeiten für die beiden Berufsgruppen einzuschränken.«

Wer aber sind die Manager der Reiseindustrie? Der Travel Industry Club ist ein im Jahr 2005 gegründeter Wirtschaftsclub, der als sein Ziel erklärt, »die wirtschaftliche Bedeutung der Reiseindustrie stärker ins Licht der Öffentlichkeit ... zu rücken«. Rund 670 ManagerInnen sind Mitglied dieses Thinktanks der »Macher und Beweger sämtlicher Segmente der Reisebranche«. Bei der zitierten Umfrage haben 232 Personen mitgemacht, und die sind mehrheitlich der Ansicht, dass »das Ansehen des Reiselandes Deutschland durch den Streik geschädigt wird«. Klasse.

Letztlich haben sich hier die Unternehmer selbst befragt. Funktionsträger beispielsweise aus Taxiunternehmen, der Hotellerie und Gastrounternehmen sind dabei. Und auch der eine oder andere Bahnmanager ist Mitglied in dem illustren Club. Das Ergebnis war also vorhersehbar und eigentlich keine Zeile wert: »Arbeitgeber gegen Streik« - wie spannend ist das? Spannend ist allein die Dreistigkeit.

Kein Wort davon, dass die Hälfte der Auszubildenden im Hotel- und Gastrogewerbe ihre Lehre abbricht, kein Wort über die Bedingungen in Hotelküchen, bei der Zimmerreinigung. In der Systemgastronomie stocken die Tarifverhandlungen, weil die Unternehmer sich den Mindestlohn von den Beschäftigten über die Kürzung von Zuschlägen, Weihnachts- und Urlaubsgeld zurückholen wollen. Die Verhandlungen zwischen dem Hotel- und Gaststättenverband Dehoga und der NGG sind gleich ganz gescheitert, weil die Gewerkschaft nicht dazu bereit war, einen Tarifvertrag mit Lohneinbußen hinzunehmen. Wer also fügt dem »Ansehen des Reiselandes« Schaden zu? Gewerkschaften, die für die Rechte der Beschäftigten einstehen oder irgendwelche Manager, die die Verantwortung für die miesen Bedingungen in vielen Betrieben tragen und jetzt noch eine Einschränkung des Streikrechts fordern, damit es auch so bleibt?

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