Rochade in Dunkeldeutschland
Stefan Otto über den Rücktritt von BAMF-Chef Manfred Schmidt
Bundesinnenminister Thomas de Maizière wahrte die Etikette nach dem Rücktritt von Manfred Schmidt: Er dankte ihm für seine Arbeit als Leiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF), sagte, es sei ihm schwergefallen, seinen Rücktritt anzunehmen. Den Vorwurf der Opposition, es handle sich lediglich um ein Bauernopfer, wies de Maizière zurück - ohne jedoch die Anschuldigung zu entkräften.
Seit Wochen schon stand das Amt in der Kritik, weil es einen immensen Rückstau bei der Bearbeitung der Asylanträge gibt. Schmidt gab zu, seine Behörde sei auf die hohe Zahl der Flüchtlinge nicht vorbereitet gewesen. Doch reagierte vor allem die Bundesregierung zu zögerlich. Sie hätte viel eher für eine personelle Aufstockung der Behörde sorgen müssen, um vor allem Kriegsflüchtlingen den Weg für einen Neuanfang frei zu machen.
Doch mehren sich Zweifel, ob dies von der Bundesregierung überhaupt erwünscht ist. Denn de Maizière kündigte am Donnerstag drastische Einschränkungen für jene Flüchtlinge an, die zuletzt über die Balkanroute kamen. Sie alle sollen nur noch ein Ticket und Proviant für die Reise in jenes EU-Land erhalten, das gemäß dem Dublin-Abkommen für sie zuständig sein soll. Mehr nicht. Fraglos präsentiert de Maizière damit das Land von seiner dunklen Seite.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.