- Kommentare
- Verena Brunschweiger
Rinder statt Kinder
Eigentlich sind die Kleinen nur lästig, findet Andreas Koristka - den Eltern, den Nachbarn und der Umwelt
Nach der schlimmen Flüchtlingskatastrophe 2015 zieht langsam wieder Normalität in Deutschland ein: Werden Stubenfliegen brutal von Windradflügeln erschlagen? Gibt es unter Fußballfans Rassisten? Macht die EU gute Gesetze? Das sind die drei kniffligen gesellschaftlichen Fragen, die derzeit unser Land bewegen. Seitdem eine Lehrerin ein Buch geschrieben hat, in dem sie erklärt, warum sie es für keine gute Idee hält, den Planeten mit noch mehr Popelmaschinen zu fluten, ist eine weitere Debatte dazugekommen: Sollten Frauen Kinder bekommen?
In ihrem Buch »Kinderfrei statt kinderlos« schlägt Verena Brunschweiger vor, dass jede kinderfreie Frau, die älter als 50 Jahre ist, vom Staat eine 50.000-Euro-Prämie erhalten soll. Damit bringt sie die Lobby der Kinderfreunde gegen sich auf. Natürlich ist dies ein kalkulierter Skandal. Denn mehr Empörung wäre Frau Brunschweiger nur sicher gewesen, wenn sie ein Buch darüber geschrieben hätte, dass alle Kampfhunde innerhalb der Grenzen der BRD eingeschläfert gehören oder dass Dieselfahrern auf den Marktplätzen öffentlich die Fußnägel ausgerissen werden sollen.
Aber auch beim Thema Kinder kocht in Deutschland nicht nur die Hausfrau. Wenn sich dann die Autorin auch noch als »Radikalfeministin« zu erkennen gibt, brennen bei einigen gänzlich die Thermomix-Sicherungen durch. Auch deshalb, weil man selbst im Jahre 2019 die Vorschläge, die Lehrer in eigens geschriebenen Büchern machen, in weiten Teilen der Bundesrepublik für verbindlich hält.
Aber ist die Aufregung gerechtfertigt? Würde eine Kinderfrei-Prämie nicht auch die Lage der Eltern entspannen? Wenn sich tatsächlich weniger Frauen dazu entscheiden würden, Kinder zu bekommen, wäre der Andrang auf die Kitaplätze nicht mehr ganz so groß. Es würde mehr Parkplätze für die schwarzen SUV vor Schulen geben und man müsste weniger oft aus dem Fenster schreien, um die Mittagsruhe auf dem Spielplatz im Hinterhof einzufordern. Außerdem sollen nur Frauen die Prämie erhalten. Männer könnten also weiterhin so viele Kinder zeugen, wie sie es für richtig halten. Das klingt fair.
Allerdings gibt es noch einen viel wichtigeren Grund dafür, auf Kinder zu verzichten. Und der heißt Umweltschutz. Jeder, der schon einmal ein Kleinkind aus nächster Nähe gesehen hat, wird bestätigen können, dass der Methanausstoß eines Dreijährigen mit Blähungen durchaus den einer argentinischen Rinderherde übertrifft. Die Folgen fürs Klima sind enorm. Einwegwindeln, Hipp-Gläschen und das massenhafte Töten von Bäumen durch pädagogische Baumscheibengärtnerei tun ihr übriges.
Für unseren Planeten ist jedes einzelne Kind eine nicht hinnehmbare Belastung. Und zu allem Überfluss haben Kinder keinerlei Problembewusstsein. In letzter Zeit demonstrieren sie sogar für das Klima. Ganz so, als wären wir das Problem und nicht sie. Das ist absurd und letztlich so überflüssig wie die Buntstiftkritzeleien auf der Raufasertapete im Wohnzimmer!
Die Sache steht also klar zu Ungunsten der Fortpflanzung. Aber selbstredend entscheiden nicht nur rationale Kriterien darüber, ob Menschen Kinder bekommen. Die Gründe für eine Schwangerschaft können durchaus im Irrationalen liegen, zum Beispiel im bewussten Verzicht auf ein Kondom nach übermäßigem Alkoholkonsum. Und wenn die Kinder erst mal da sind, nach einer unvorstellbar schmerzhaften und für alle Beteiligten traumatisierenden Geburt, dann ist es ja auch schön. Denn die Liebe von Kindern spürt man ganz tief drinnen wie den Finger eines Einjährigen, der sich mit unaufhaltsamer Kraft in den Augapfel seines Elters schiebt.
Vergessen wir schließlich eines nicht: Nur Kinder haben in unserer Welt die Möglichkeit, zu Individuen heranzureifen, die ein Lehramtsstudium abschließen können, um danach Aufsehen erregende Bücher schreiben zu können. Worüber sollten wir uns einmal aufregen, wenn es sie nicht mehr gäbe?
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.