Werbung

Appell mit Schönheitsfehler

Jana Frielinghaus über Angela Merkels Rede an die Nation

Es war der Situation angemessen, dass die Kanzlerin das Wort an die Bürgerinnen und Bürger richtete. Denn es ist offenkundig, dass der von ihr wiederholte Appell, persönliche Begegnungen auf ein Minimum zu reduzieren, noch immer von vielen nicht ernst genommen wird.

Schräg wird es, wenn Angela Merkel behauptet, Deutschland habe »ein exzellentes Gesundheitssystem, vielleicht eines der besten der Welt«. Das ist so zynisch wie ignorant. Natürlich: Im Weltmaßstab steht die Bundesrepublik vergleichsweise gut da. Doch das jahrzehntelange Trimmen des Systems auf Effizienz hat auch hierzulande zahllose Todesfälle verursacht. Es stimmt eben nicht, dass »jeder Mensch zählt«. Die Ursachen: Dauerüberlastung von Pflegenden und Ärzten und daraus resultierende Vernachlässigung von Minimalerfordernissen bei Hygiene und Betreuung. Allein, dass von der »Gesundheitsbranche« gesprochen wird, ist Symptom einer inhumanen Politik, die die Kapitallogik selbst in Kernbereichen der Fürsorge anwendet. Merkel weiß all das - und dürfte die Brandbriefe kennen, die Fachkräfte dieser Tage angesichts der aktuellen Krise verfasst haben. Als seit fast 15 Jahren amtierende Kanzlerin trägt sie maßgeblich Verantwortung für die herrschenden Zustände. In ihrer Rede findet sich kein Wort dazu, geschweige denn das Eingeständnis von Politikversagen.

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.

- Anzeige -
- Anzeige -