Das Virus als Komplize

Ines Wallrodt über ein Gesetz für das Recht auf Homeoffice

Arbeitsminister Heil lässt nicht locker und unternimmt einen neuen Anlauf, einen Rechtsanspruch auf Homeoffice gesetzlich abzusichern. In der Coronakrise hat er einen neuen Verbündeten. Denn anders als im vergangenen Jahr, als die Union seinen Gesetzentwurf in den Papierkorb entsorgen konnte, muss Heil das Thema nun nicht mehr selbst setzen. Arbeitgeber wie Beschäftigte erleben derzeit in einem Massentest die Vor- und Nachteile des Arbeitens von zu Hause aus. Wann hat man das schon mal, dass ein Gesetz so umfassend in der Praxis erprobt wurde, bevor es überhaupt beschlossen ist?

Die wichtigste Erkenntnis für alle Seiten: Homeoffice ist weit mehr möglich als in Vor-Corona-Zeiten praktiziert. Zugleich wissen alle, die heute mit Nackenschmerzen am heimischen Schreibtisch sitzen, den gesundheitsgerechten Arbeitsplatz im Büro zu schätzen; wissen, dass klare Arbeitszeitregelungen nötig sind, um Selbstausbeutung und Entgrenzung zu vermeiden. Und sie wissen, dass sich der direkte Kontakt mit Kollegen nicht durch den Afterwork-Umtrunk per Videoschalte ersetzen lässt. Die Fallstricke der Heimarbeit waren schon vor Corona bekannt, deshalb gibt es längst gute Ideen, wie man sie lösen kann. Nach dem erzwungenen Stresstest sollte die Union bereit zum Umdenken sein und den Weg frei machen für das Gesetz. Denn klar ist: Gäbe es das Recht auf Homeoffice bereits, wäre Heimarbeit in der Coronakrise leichter.

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