Musik der Gedanken: Literaturnobelpreis für Louise Glück
Die US-amerikanische Lyrikerin Louise Glück erhält in diesem Jahr den Literaturnobelpreis. Das gab die Schwedische Akademie am Donnerstag in Stockholm bekannt. Die 77-Jährige werde »für ihre unverkennbare poetische Stimme« ausgezeichnet, mit der sie »mit strenger Schönheit die individuelle Existenz universell« mache, sagte der Ständige Sekretär der Akademie, Mats Malm.
Auf Deutsch sind von Glück bei Luchterhand (München) zwei Gedichtbände erschienen - sie sind allerdings vergriffen. »Wir sind gerade dabei, die Rechte neu zu verhandeln«, sagte Verlagssprecher Karsten Rösel am Donnerstag. Die Nachricht aus Stockholm habe den Verlag »überrascht und gefreut«. Bei Luchterhand erschienen zwei Bände mit Gedichten: 2007 »Averno« und 2008 »Wilde Iris«. Sie wurden aus dem Amerikanischen übersetzt von Ulrike Draesner, einer preisgekrönten Romanautorin, Essayistin und Lyrikerin. Andere deutsche Übersetzungen von Glücks Texten seien ihm nicht bekannt, meinte Rösel.
Glück wurde 1943 als Tochter eines Unternehmers und einer Hausfrau in New York geboren, ihre Großeltern väterlicherseits waren aus Ungarn eingewanderte Juden. Schon als Mädchen schrieb sie Gedichte. »Ich war ein einsames Kind«, sagte die in einem ihrer seltenen Interviews. »Meine Interaktionen mit der Welt als soziales Geschöpf waren unnatürlich, gezwungen, und ich war am glücklichsten, wenn ich gelesen habe.« Besonders bei Gedichten habe es sich angefühlt, als ob die Autoren direkt zur ihr sprächen. »Mein frühes Schreiben war dann ein Versuch, mit diesen Autoren zu kommunizieren, ihnen zu antworten.« Nach ihrem Debüt »Firstborn« (1968) veröffentlichte die heutige Literaturprofessorin elf weitere Gedichtbände sowie mehrere Bücher mit Essays über Poesie. Aktuell lehrt sie an der Elite-Uni Yale in New Haven (Connecticut) Englisch und lebt in Massachusetts.
In ihren Texten geht es fast immer um starke Gefühle: Einsamkeit, Liebe, Verzweiflung, Trennungen gen und Tod - oft durchwirkt mit klassischen antiken Mythen und Sagen. »Das ist die normale menschliche Erfahrung«, sagt Glück. »Man benutzt also sich selbst als Labor, um darin die für einen selbst zentralen menschlichen Dilemmas zu üben und zu meistern.« Obwohl sie das Scheinwerferlicht meidet, ist sie in den USA recht erfolgreich. Sie bekam Guggenheim-Stipendien, den Pulitzer-Preis und 2014 den National Book Award (Foto). Glücks Spezialität sei »genau die Sache, die nur lyrische Dichtung schaffen kann, und die zu den intimsten, nicht-öffentlichsten Dingen gehört, die Wörter schaffen können: Die ganz spezielle Musik der Gedanken zu imitieren«, schrieb die »New York Times« über sie. nd /mit Agenturen
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