Hinter Gittern
Samsung-Erbe Lee Jae Yong wegen Korruption verurteilt
Und wieder heißt es für Lee Jae Yong: ab ins Gefängnis! Ein Gericht in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul verurteilte den Erben des Firmenkonglomerats Samsung am Montag wegen Bestechung und Veruntreuung zu zweieinhalb Jahren Haft. Der 52-Jährige wurde direkt nach der Urteilsverkündung abgeführt.
Hintergrund ist ein Korruptionsskandal um die frühere Staatspräsidentin Park Geun Hye. Rund sieben Millionen Euro soll sie eingestrichen haben, um die reibungslose Nachfolge Lees an der Samsung-Spitze zu unterstützen. Parks Regierung stürzte über diese Affäre, und Lee wurde im August 2017 zu fünf Jahren Haft verurteilt. Im Berufungsverfahren wurde eine kürzere Bewährungsstrafe verhängt, so dass der milliardenschwere Hobby-Golfspieler und Pferdeliebhaber wieder freikam. Das oberste Gericht des Landes kippte diesen Richterspruch. Die Neuauflage endete nun wieder mit Haft, aber auch hier ist Revision möglich. Lee sieht sich zu Unrecht verurteilt und als Opfer der Machenschaften der früheren Präsidentin.
Einheimische Ökonomen sehen indes eine Krise für Samsung heraufziehen. Letztlich werden sogar die Grundfesten der südkoreanischen Wirtschaft erschüttert. Der rasante Aufstieg zum Industrieland lief über riesige familiengeführte und gleichzeitig staatsnahe Firmenkonglomerate. Samsung ist der größte »Chaebol«. Lees im vergangenen Oktober verstorbener Vater war nicht nur Großanteilseigner, sondern offiziell Chef des Gesamtkonzerns, bis er 2008 über eine Steueraffäre stolperte. Sein Sohn ist wegen diverser Affären pro forma nur Vizeaufsichtsratschef der Konzerntochter Samsung Electronics, des weltgrößten Smartphoneproduzenten.
Die Zeiten der Firmenpatriarchen scheinen bei Samsung ein für alle Mal vorbei. Dass der »Prinz von Samsung«, wie die Medien Lee einst nannten, dereinst König wird, dürfte mit dem neuerlichen Urteil abgehakt sein.
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