- Kommentare
- Lockdown
Ad-hoc-Reaktion als Dauerstrategie
Kurt Stenger über Gründe für schwindende Lockdown-Akzeptanz
Kaum eine staatliche Aktion der letzten Jahre dürfte auf ähnlich breite Zustimmung in der Bevölkerung gestoßen sein wie der erste Corona-Lockdown im Frühjahr 2020. Doch längst bröckelt die Zustimmung. Das liegt sicher an der Dauer, denn sogar viele Gutwillige verlieren angesichts der sozialen Härten im Alltag die Geduld.
Doch es geht auch um Politikversagen an zwei zentralen Punkten: Zum einen verordnen Bund und Länder, unterstützt von den immer gleichen Wissenschaftlern, ständig neue Maßnahmen von oben herab. Es gibt Gruppen, die nicht mehr so genau wissen, was verboten und erlaubt ist, aber auch, was sinnvoll ist. Ignoriert wurde von Anfang an, dass es genauso darauf ankommt, Maßnahmen richtig zu kommunizieren, denn der Erfolg des Lockdowns hängt davon ab, ob die Leute von sich aus das Richtige tun.
Zum anderen fällt der Politik auf die Füße, dass sie es im entspannten Sommer versäumte, eine Mittel- und Langfriststrategie im Umgang mit Corona zu entwickeln. Stattdessen denkt man nur bis zum nächsten Gipfel in zwei Wochen. Ad-hoc-Maßnahmen taugen aber nicht für eine Periode, die sich über Monate hinzieht. Zumal dies den Bürgern vermittelte, alles bald überstanden zu haben. Kein Wunder, dass die Zustimmung schrumpft.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.