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Zuckerfallen vermeiden
Ernährung bei Diabetes: Vorsicht bei gesüßten Getränken – und nicht zu viel Obst auf einmal
Wenn in der Arztpraxis zum ersten Mal erhöhte Blutzuckerwerte bestimmt werden, ist die Verunsicherung bei den Betroffenen zunächst groß. Mitunter gibt es eine Abwehrreaktion mit der Frage: »Warum soll ich in meinem Alter noch auf Zucker und Süßes achten?«
Die Zuckerkrankheit, fachsprachlich Diabetes mellitus, übersetzt als »honigsüßer Fluss«, wurde in der Antike nach dem zuckerhaltigen Urin, den Menschen mit Diabetes ausscheiden, benannt. Es ist eine chronische Erkrankung, deren Behandlung die regelmäßige Mitarbeit des Patienten erfordert. Damit soll keinesfalls eine Schuldzuweisung ausgesprochen werden, die Erkrankung hat meist verschiedene Ursachen, welche zusammenkommen.
Der Zuckerverbrauch durch körperliche Arbeit, Sport, Wanderungen oder Spaziergänge wird oft um mehr als das Doppelte überschätzt.
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Nach einer Konfrontation mit erhöhten Blutzuckerwerten, bei gelegentlichen Messungen über 200 Milligramm Zucker pro Deziliter Blut oder auch des Langzeitwertes Hb1c mit einem Wert über 6,5 Prozent, fragen sich Betroffene: »Wie konnte das passieren? Mein ganzes Leben lang war ich immer schlank und bewege mich viel.« Aber der sogenannte Nüchternblutzucker, gemessen nach zwölf Stunden ohne Nahrungsaufnahme, sollte bei Erwachsenen etwa zwischen 80 und 110 Milligramm pro Deziliter liegen.
Neben einer erblichen Veranlagung für Diabetes mellitus Typ 2, früher Altersdiabetes genannt, können auch Infektionen, Stress, Entzündungen, Vitamin-D-Mangel, hormonelle Veränderungen oder bestimmte Medikamente zur Entstehung der schwierig zu händelnden Krankheit beitragen. Ist zum Beispiel bei chronischem Stress der Blutspiegel der Hormone Adrenalin und Cortisol häufig erhöht, reagiert der Organismus mit einer Erhöhung des Blutzuckerspiegels. Damit sollen Muskeln und Gehirn mit Energie für eine Flucht- oder Kampfreaktion versorgt werden. Unterbleibt nach einer Angst auslösenden Situation der Abbau des zur Verfügung gestellten Zuckers, muss die Bauchspeicheldrüse vermehrt Insulin ausschütten. Kommt es häufiger zu solchen Situationen, kann es passieren, dass die Bauchspeicheldrüse erschöpft wird und den Blutzucker nicht mehr ausreichend regulieren kann.
In Deutschland leben rund 8,7 Millionen Menschen mit der Diagnose Diabetes. Davon sind etwa 370 000 an Typ-1-Diabetes erkrankt, der meist vor dem 20. Geburtstag ausbricht. Dann müssen Kinder und Jugendliche sofort regelmäßig Insulin erhalten, damit der Zucker in die Körperzellen gelangen kann. Bei einem Teil der Menschen mit Typ-2-Diabetes ist ebenfalls nicht mehr genug körpereigenes Insulin vorhanden, bei anderen kann das Insulin nicht mehr richtig wirken, sodass der Zucker nicht in die Zellen transportiert wird. Ein ständig erhöhter Blutzuckerspiegel schädigt Blutgefäße, Augen, Nieren und Herz.
Mit welcher Ernährung kann gegengesteuert werden? Welche Nahrungsmittel erhöhen den Blutzuckerspiegel weniger? Wie hoch soll der Anteil der Hauptnährstoffe Protein, Fett und Kohlenhydrate sein? Letztere verdienen dabei größere Beachtung.
Zu den für den Menschen gut verdaulichen Kohlenhydraten gehören verschiedene Zuckerarten und Stärke, die in Kartoffeln, Reis, Mehl, Brot und Nudeln vorkommt. Diese Stärke besteht aus mehr als zehn Traubenzuckermolekülen. Beim langen Kauen werden sie bereits durch ein Enzym der Mundspeicheldrüse in ihre einzelnen Bausteine zerlegt, daher schmeckt lange gekautes Brot süß. Zu den Zuckerarten, die aus zwei Molekülen zusammengesetzt sind, gehören Haushaltszucker, etwa Rüben- oder Rohr-, sowie Milchzucker. Zu den Einfachzuckern, die besonders schnell resorbiert werden, zählen Malz- und Traubenzucker.
Ihre Aufgabe besteht vorrangig darin, Energie für die Muskeln und das Gehirn bereitzustellen. Kohlenhydrate sind aus den Atomen Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff zusammengesetzt. Auch Fette bauen sich aus diesen drei Elementen auf. Der Unterschied liegt unter anderem in ihrem Anteil von Sauerstoff, der bei Fettsäuren etwas niedriger liegt. Daher benutzt der Körper bei Sport und Bewegung zuerst die Kohlenhydrate, weil er zu deren Verbrennung etwas weniger Sauerstoff benötigt.
Proteine enthalten weitere Elemente, vor allem Stickstoff und Schwefel. Sie dienen erstrangig dem Aufbau von Muskelzellen, innerer Organe sowie von Abwehrkörpern des Immunsystems. Die Energiegewinnung aus Proteinen spielt für den menschlichen Organismus nur in Ausnahmezuständen eine Rolle. Aber auch aus proteinreicher Nahrung wie Fleisch, Fisch, Tofu oder Quark können im menschlichen beziehungsweise tierischen Stoffwechsel nach der Verdauung zu Aminosäuren und deren weiterer Umwandlung Traubenzuckermoleküle hergestellt werden. Daher können sogar Katzen die Zuckerkrankheit bekommen, wenn ihre Bauchspeicheldrüse nicht mehr genug zuckersenkendes Insulin produziert.
Leider wird der Zucker, der durch körperliche Arbeit, Sport, Wanderungen oder Spaziergänge verbraucht wird, oft um mehr als das Doppelte überschätzt. Bei einer Stunde Gehen oder Wandern werden beispielsweise 200 bis 300 Kilokalorien verbraucht. Während dieser Stunde können im Körper ungefähr 50 Gramm Kohlenhydrate und 10 Gramm Fett verbrannt werden. Diese Nährstoffmengen entsprechen zwei Scheiben Brot mit Aufstrich. Kommen zuckerhaltige Getränke wie Fruchtsaft, Bier oder Wein hinzu, wird dem Körper bereits zu viel zugemutet.
Bei Getränken besteht die Gefahr, nach der Bewegung in die größten Zuckerfallen zu geraten. Es empfiehlt sich, besonders hier genau hinzuschauen und den ersten Durst mit reichlich stillem Wasser oder ungesüßtem Tee zu löschen. Ein Glas Apfelschorle bringt schon 11 Gramm Zucker mit. Ein halber Liter Bier enthält neben circa 20 Gramm reinem Alkohol etwa 15 bis 25 Gramm Malzzucker. Eine Tasse heiße Schokolade hat etwa 20 Gramm Zucker. Das Problem dabei: Dieser in Getränken gelöste Zucker geht sehr schnell ins Blut.
Regelmäßige Bewegung ist dennoch wichtig, um das Herz-Kreislauf-System zu trainieren und einem Muskelschwund entgegenzuwirken. Dazu dient auch ein Krafttraining mit kleineren Gewichten oder einer gefüllten Wasserflasche. Je besser die Muskeln arbeiten, umso mehr Energie wird auch in Ruhe umgesetzt. Der verbesserte Grundumsatz dauert zwei Tage nach jeder Trainingseinheit an.
Ein Fruchtsaft kann nur im Ausnahmefall gute Dienste leisten, etwa dann, wenn es nach einer Insulingabe versehentlich zu einer starken Unterzuckerung kam. Die gilt es aber zu vermeiden, mit möglichst regelmäßigen, ausgewogenen Mahlzeiten.
Menschen mit Diabetes mellitus bedürfen einer umfangreichen Schulung, damit sie wissen, in welchen Nahrungsmitteln Kohlenhydrate stecken. Diese wiederum gilt es auf vernünftige Portionen über den Tag zu verteilen, stets mit protein- und fetthaltigen Speisen kombiniert. Durch diese gemischte Kost wird erreicht, dass der Blutzuckerspiegel langsamer und weniger stark ansteigt. Auch die Regel, kleine Süßigkeiten nur als Nachtisch zu verzehren, gehört zu diesem wichtigen Prinzip.
Lebensmittel mit Kohlenhydraten gänzlich wegzulassen, ist nicht sinnvoll. Gerade Obst, Gemüse, Kartoffeln, Haferflocken und Hülsenfrüchte liefern ja nicht nur Kohlenhydrate, sondern wertvolle Vitamine, teils auch Proteine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Es kommt jedoch darauf an, Obst in kleinen Portionen über den Tag zu verteilen. Zu jeder Mahlzeit kann ein halber Apfel oder eine halbe Apfelsine verzehrt werden, das ist besser als zwei Früchte auf einmal.
Wenn es im Alter trotz medikamentöser und Ernährungstherapie erforderlich wird, morgens und abends Insulin mit einer Spritze zu erhalten, sind regelmäßige Mahlzeiten mit gleichbleibendem Kohlenhydratanteil besonders wichtig.
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