Ein Schweigen voller Möglichkeiten

  • Christina Matte
  • Lesedauer: 2 Min.
Ein Schweigen voller Möglichkeiten

Dieser Tage liegt das Land – samt seiner Städte – tief verschneit. Der Winter kleidet es in Weiß. So einfach kann es also sein: Jegliche Spur, die wir hinterlassen, Fehltritte und Irrwege – Schnee drüber! Selbst die Klima killende Wohlstandsarmada scheint plötzlich Schnee von gestern zu sein. Ein himmlischer Fingerzeig? Über allen Straßen ist Ruh’. Außerhalb der Geschäftszeiten.

Weiß, das ist die Farbe der Bräute. Die Farbe der Unschuld, der Unberührtheit. Die Farbe, mit der alles anfängt. Oft genug auch die Farbe, mit der alles endet. Weiß ist die Farbe der Arztkittel, von der wir Genesung erhoffen. Zumindest, so lange wir noch jung sind. Ruhe sanft, steht am Ende doch immer.

Weiß, natürlich ahnen wir es, stammt nicht vom Wort »Wissen« ab. Und schon gar nicht von »Gewissen«. Wer weiß, bleibt deshalb nicht unschuldig. Was wir wissen und was wir tun, sind oft ganz verschiedene Dinge.

Der Befund von Farbpsychologen lautet: »Weiß hat für unsere Seele die Wirkung absoluten Schweigens, aber eines Schweigens voller lebendiger Möglichkeiten.« Weiß als Möglichkeit, als Chance? Will uns da jemand aufs Glatteis führen? Erst wenige Tage zählt dies Jahr, schon schmelzen Vorsätze dahin.

Auch die weiße Pracht beginnt zu schmelzen. Schon starren die Straßenränder vom Schmutz, schon haben wir es Schwarz auf Weiß: Alles wird wieder, wie gehabt.

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