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Frühstückshatz
Nur drei Minuten werden auf die erste Mahlzeit verwendet
Lange Zeit haben wir Europäer über die amerikanische Mentalität, im Gehen zu frühstücken, geschmunzelt. Mit einem Lächeln haben wir in Filmen oder bei einem Besuch des Landes auf der anderen Seite des großen Teichs zur Kenntnis genommen, wenn ganze Heerscharen von Amis sich auf dem Weg zur Arbeit mit einem Bagel und einem Kaffee im Pappbecher stärken. Doch längst hat das »to-go«-Zeitalter auch weite Teile Westeuropas flächendeckend erfasst. Insbesondere der Start in den Tag mit einem gemütlichen Frühstück scheint mehr und mehr aus der Mode zu kommen.
Im Rahmen einer aktuellen Studie in Großbritannien wurde nun deutlich, dass wir unter der Woche im Schnitt gerade einmal drei Minuten und 15 Sekunden benötigen, um die erste Mahlzeit des Tages im Eiltempo zu verschlingen. Und dabei nehmen die wenigsten am Küchentisch Platz, sondern werfen ein Stück Brot ein und nippen am Kaffee, während sie durch die eigenen vier Wände flitzen, um sich für den Gang zur Arbeit fertig zu machen. Fast 50 Prozent lassen sich beim Frühstück zudem vom Fernseher berieseln oder checken die Mails, die über Nacht in ihrem elektronischen Postfach eingetrudelt sind. Nur knapp ein Drittel frühstückt demnach noch in Ruhe am Tisch. Und während jeder Dritte sich die erste Tasse Kaffee des Tages im Bett gönnt, frühstücken immerhin fünf Prozent vor dem Spiegel im Bad, um sich gleichzeitig fertig machen zu können. Dabei muss es sich fast ausnahmslos um Frauen handeln, da die meisten Männer ihre Morgenwäsche ja auf eine Handvoll Wasser im Gesicht beschränken. Generell wundert eigentlich, dass die Esskultur in dem gekachelten Raum mit der Nasszelle nur eine so geringe Popularität erfährt. Schließlich bietet das Frühstück vor dem Spiegel den Vorteil, mit nur einem Blick kontrollieren zu können, ob noch Speisereste an Mund, Wange oder zwischen den Zähnen hängen. Unabhängig davon räumte jeder Fünfte im Rahmen der Studie ein, Teile seines Frühstücks mit auf den Weg zur Arbeit zu nehmen. Vermutlich liegt die Dunkelziffer hier noch höher.
Beim Blick auf die morgendlichen Bürgersteige, in Busse und Bahnen lässt sich kaum unterscheiden, wer beim Bäcker oder am Kiosk seinen Kaffee erstanden oder ihn zu Hause selber abgefüllt hat. Wichtig ist nur, sich im »to-go«-Zeitalter nicht ohne dampfenden Becher in der Hand sehen zu lassen. Der ist längst wie das Handy zum Statussymbol geworden. Ohne geht man nun wirklich nicht mehr aus dem Haus. Höchstens zum Kiosk oder Bäcker, um den Mangel zu beheben.
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