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Ein buntes Panorama
Alltag in der DDR
»Das einheitliche sozialistische Bildungssystem war durchaus ein Erfolg. Bis heute hat die polytechnische, praxisnahe Ausbildung in der Wahrnehmung der Zeitgenossen eine große Bedeutung und wird positiv bewertet.« Nanu, wer behauptet denn so etwas? Elke Kimmel. Und sie hat recht. Das wissen auch Pädagogen und Erziehungswissenschaftler der Bundesrepublik. Was war schlecht an Fachausbildung mit Abitur? Oder an Erntehilfen der Studenten? Die Vorzüge des Zentralabiturs werden heute wiederentdeckt. Und vieles andere mehr, was es in der DDR gab und zunächst, nach 1990, verteufelt worden ist. Die Betreuung und Vorschulerziehung in Kinderkrippen und Kindergärten beispielsweise.
Staatminister Bernd Neumann hat offenbar die Beiträge des Begleitbuches zur Dauerausstellung im Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt nicht gelesen. Sein dem Band vorangestelltes Grußwort zur Eröffnung der Schau steht im eklatanten Widerspruch zu den Katalogtexten. Ahnungslos warnt der CDU-Politiker vor »Tendenzen zur Verharmlosung der Diktatur in der DDR« und »Ostalgie« und freut sich, dass nun »in einer denkmalgerecht sanierten ehemaligen Kinderkrippe« gezeigt werde, wie die Menschen in der DDR »von der Kinderkrippe über die Schule bis hin zur Arbeitswelt« ideologisch indoktriniert wurden und massivem Anpassungsdruck ausgesetzt waren.
Ob in den Kapiteln Familie, Kommunikation, Arbeit, Konsum, Lebensweise oder Milieus - in diesem Buch wird indes sachkundig, informativ wie unterhaltsam, durchaus kritisch und zuweilen auch zum Widerspruch herausfordernd, Alltag in der DDR vorgestellt. Wie ihn sich viele, die in der DDR gelebt haben, nicht vorstellen können. Die vielfach auf Herrschaft eingeengte Sicht wird hier aufgebrochen.
Gewürdigt wird die Aufbaugeneration, berichtet natürlich auch über die Errichtung von Eisenhüttenstadt (1953 bis 1961 Stalinstadt), erinnert an die Schwierigkeit, einen Telefonanschluss zu erhalten und die Freude über ein Westpaket, den Stolz über das Ergattern begehrter Schallplatten und den Schwarzhandel mit diesen, an Spielzeug, Damenschuhe, Transistorgeräte etc. pp. Fotos, Dokumente, Briefe und Abbildungen von unentbehrlichen wie entbehrlichen Alltagsgegenständen lassen die DDR visuell wieder auferstehen.
Alltag: DDR. Geschichte - Fotos - Objekte. Hg. v. Dokumentationszentrum
Alltagskultur der DDR. Ch. Links Verlag. 333 S. br., 19,90 €
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