Politik gibt Gummi
Hochwasser verursacht riesige Schäden und bringt Wahlkämpfer auf Trab
Berlin (nd). Politikern wird oft vorgeworfen, viel zu reden, aber wenig zu tun. Das ändert sich, wenn eine Katastrophe ausbricht: Sie besichtigen das Chaos und tun zumindest so, als ob sie etwas täten. »Pack die Gummistiefel aus« heißt es derzeit in Regierungsstuben. Allein die Bundeskanzlerin will heute durch Bayern, Sachsen und Thüringen touren.
Dort wird sie erleben, was sie auch in TV-Berichten sehen könnte. Im niederbayerischen Passau erreichte das Hochwasser am Montag wohl den höchsten Pegel seit 1501; Donau und Inn fluteten die Innenstadt. Dramatisch ist die Lage auch in Ostthüringen und Sachsen. Dem Dresdner Umweltministerium zufolge betrifft das Hochwasser erstmals alle Regionen des Freistaats gleichzeitig. In Sachsen-Anhalt sind die UNESCO-Welterbestätten der Parks von Dessau und Wörlitz bedroht.
Natürlich muss in den Katastrophengebieten vieles koordiniert werden, aber ebenso wichtig für Politiker ist die Macht der Bilder: Wer sich im richtigen Moment als Macher inszeniert, sammelt Pluspunkte. Erst recht im Wahljahr. Die Flutopfer benötigen indessen konkrete Unterstützung. Die Bundeswehr kann sich ausnahmsweise mal im Inlandseinsatz nützlich machen - auch eine Form der Imagepflege. Von Politikern wird man Versprechen hören: schnelle Hilfe, mehr Hochwasserschutz. Ob man sich darauf verlassen kann? Nun ja. Zunächst kommt die Bundestagswahl, und bis dahin gilt: Was ist ein langatmiges Wahlprogramm gegen ein dramatisches Hochwasser?
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