Die geführte Hand Brüssels
Kurt Stenger über die Ablehnung der EU-Bürgerinitiative gegen TTIP
Freie Hand will die Europäische Kommission haben für die Verhandlungen mit den USA über das geplante transatlantische Freihandelsabkommen TTIP. Da soll ihr keiner dreinreden, schon gar nicht der EU-Bürger, der sich Sorgen macht über den Fortbestand errungener Standards bei Umwelt- und Verbraucherschutz. Die von einem breiten Bündnis aus Nichtregierungsorganisationen beantragte EU-Bürgerinitiative wurde mit dieser Begründung abgelehnt.
Eine fatale Entscheidung: zum einen aus formalen Gründen, weil der Vorstoß willkürlich von denjenigen abgewiesen wurde, für die eine Bürgerinitiative äußerst unbequem geworden wäre. Zum anderen aus politischen Gründen, weil die auf EU-Ebene bislang ohnehin schwach ausgeprägte Demokratie einen weiteren Rückschlag erleidet. Noch-Handelskommissar Karel De Gucht hatte vor Monaten als Reaktion auf die breite Kritik an den TTIP-Geheimverhandlungen mehr Transparenz versprochen. Die Bürger sollen etwas darüber erfahren - mitbestimmen aber nicht.
Allerdings ist es nun gar nicht so, dass Brüssel nach Gutdünken verfahren möchte. Lobbyisten der Wirtschaftsverbände reden und schreiben eifrig mit am Verhandlungsmandat. Die Kommission hat also keine freie Hand - diese wird von interessierter Seite geführt.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.