Verfahrene Kiste

Martin Ling über Kataloniens Eigen- und Spaniens Starrsinn

Kompromisse zwischen Spanien und Katalonien sind möglich: Mit einer Sondergenehmigung des spanischen Fußballverbandes kommt es am Samstag im Camp Nou zu einem Novum: Der FC Barcelona spielt zum ersten Mal bei einem Heimspiel in den gelb-roten Farben der katalanischen Nationalflagge senyera, obwohl diese Trikots die Auswärtstrikots der vergangenen Saison sind und obwohl das »symbolische unbewaffnete Heer Kataloniens«, wie der große Schriftsteller Manuel Vázquez Montalbán die Mannschaft Barças während der Franco-Diktatur bezeichnete, damit dem Unabhängigkeitsstreben Kataloniens einmal mehr Ausdruck verleiht.

Politisch ist ein Kompromiss zwischen Madrid und Barcelona nicht in Sicht. Die Massendemonstration zum Feiertag Diada hat unterstrichen, dass die Katalanen sich vom Weg zur Unabhängigkeit nicht mehr abbringen lassen wollen. Und das hat einen simplen Grund: die starrsinnige Haltung Madrids. Das spanische Parlament hatte 2006 ein weichgespültes Autonomiestatut verabschiedet, die Katalanen hatten es zähneknirschend in einem Referendum nach dem Motto »Besser als nichts« gutgeheißen. Das Statut wurde vom Verfassungsgericht 2010 auf Antrag der regierenden Volkspartei PP gekippt. Kommt nicht schnell ein überzeugender Vorschlag zu einer föderalistischen Neuordnung Spaniens, ist der Staatszerfall programmiert - Referendum hin oder her.

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