Der Wurm in der Energiewende
Kurt Stenger hält den ersten Platz der Erneuerbaren beim Strommix für Zufall
Wer die These vertritt, dass sich die Energiewende vor allem am Ausbau der Erneuerbaren bemisst, scheint sich freuen zu dürfen: 2014 sind sie in Deutschland erstmals zur wichtigsten Stromquelle aufgestiegen. Selbst die schon mal totgesagte Photovoltaik boomt.
Freilich belegen die Zahlen auch, dass alle Erneuerbaren zusammen nicht mal 30 Prozent zum Strommix beisteuern - und bei Wärme ist der Anteil noch viel geringer. Die EEG-Reformen der letzten Jahre haben wie gewünscht den weiteren Ökoenergieausbau stark abgebremst. Schon heute wäre viel mehr möglich, wenn dies politisch gewünscht wäre. Der Anteil war vor allem deshalb höher als 2013, weil der Stromverbrauch insgesamt wegen der nicht mehr rundlaufenden Konjunktur und des milden Winters in diesem Jahr gering blieb. Es ist also eher ein Zufallstreffer - und ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass staatlich angestoßenes Energiesparen den Erneuerbaren zu deutlich höheren Anteilen verhelfen könnte.
Auch der weiterhin hohe Anteil der besonders klimaschädlichen Braunkohleverstromung zeigt, dass in der Energiewende strukturell längst der Wurm drin ist. Es gibt immer öfter eine Überproduktion von Strom - statt Kohle und Atomkraft zurückzufahren. Erst dies würde den Ausbau der Erneuerbaren zu einer echten Energiewende machen.
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