Es geht ums Gegensteuern

Kurt Stenger über den Rekord bei Dividendenausschüttungen

Das nenne ich mal ein Quandtum Trost - auf eine Ausschüttung von rund einer Milliarde Euro dürfen sich die Geschwister Quandt, ihres Zeichens Hauptaktionäre des Autokonzerns BMW, für das abgelaufene Jahr freuen. Da können natürlich keine anderen Einzelpersonen mithalten - der Rest des absehbaren Milliarden-Geldregens verteilt sich auf viele Schultern. Zwar besitzt nur jeder siebte Bundesbürger Aktien oder Fondsanteile, aber über Lebensversicherungen, Riester-Verträge oder die betriebliche Altersvorsorge profitiert schon eine erkleckliche Zahl von Leuten aus der Mittelschicht, die ansonsten über die Niedrigzinsphase schimpfen.

Was wenig ändert an der Ungerechtigkeit des Börsenkapitalismus: Wer viel Kapital reinsteckt, bekommt auch viel Dividende raus, falls er sich nicht verzockt hat. Um gegenzusteuern, kann - oder besser gesagt: muss - der Staat eingreifen. Im Steuerrecht findet sich das geeignete Instrumentarium, doch leider hat das erste rot-schwarz geführte Kabinett bei Kapitalerträgen die ungerechte Abgeltungsteuer eingeführt, bei der jeder denselben Steuersatz zahlt.

Dies möchten inzwischen viele wieder ändern. Das rot-rot regierte Brandenburg hat einen Gesetzentwurf in den Bundesrat eingebracht, um Kapitalerträge wieder in die Einkommensteuer zu integrieren, und zumindest in der Länderkammer könnte es dafür sogar eine Mehrheit geben. Bleibt die Frage, ob die gerade viel diskutierte soziale Wende nur Wahlkampfgetöse ist oder doch mehr.

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